2. Augustinus

Entscheidend wurde der Sakramentsbegriff geför­dert durch Augustinus. Er bediente sich hierbei der neuplatonischen Vorstellungs- und Denkweise. Sakra­ment ist für Augustinus ein heiliges Zeichen. »Die Zei­chen, welche sich auf göttliche Dinge erstrecken, wer­den Sakramente genannt« (Brief 138,7). Man muß nach ihm unterscheiden zwischen dem Zeichen und dem Inhalt (res) des Zeichens. Bei den Zeichen soll man nicht auf das sehen, was sie sind, sondern auf das, was sie bedeuten. Damit jedoch das Zeichen noch etwas anderes als sein eigenes Sein kundtun kann, muß es irgendeine Ähnlichkeit haben mit dem, was es bezeichnet. Träger dieser Ähnlichkeit sind das

 

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Naturding und das Wort, durch welches das Natur-ding näher bestimmt wird. Ding und Wort begründen die sichtbare Erscheinung des Sakramentes. Augustinus sagt: »Nimm das Wort weg! Was ist dann das Wasser anderes als das Wasser? Es tritt das Wort zum Element und so entsteht das Sakrament« (Predigt zum Johannesevangeliurn, Tract. 80,3).

Im Kampfe gegen die Donatisten mußte Augustinus den Inhalt des Sakramentes und das Zeichen des Sa­kramentes auseinanderhalten. Hierzu bot ihm die neu­platonische Scheidung von geistigem und stofflichem, sichtbarem und unsichtbarem Sein die Möglichkeit. Er erklärte gegenüber den Donatisten, daß sie zwar das wahre Sakrament Christi hätten, insofern sie das sa­kramentale Zeichen haben, daß sie aber dennoch kei­ne Gnade haben, denn es hänge von dem Glauben des Spenders und des Empfängers ab, ob das Sakrament die von ihm versinnbildete Heilswirklichkeit hervorbrin­gen könne. Nur jene, welche sich die im Sakrament dargestellte und erscheinende Wirklichkeit im Glauben aneignen, werden ihrer nach Augustinus teilhaftig. Den rechten Glauben gebe es aber nur im Frieden mit der Kirche.

In der Opposition gegen die Donatisten betonte Au­gustinus den Glauben gelegentlich so stark, daß das Zeichen überflüssig zu sein scheint. So schwankt der augustinische Sakramentsbegriff zwischen zeichen-haft-spriritualistischer und heilsrealistischer Auffas­sung hin und her. Deshalb konnten sich später sowohl die katholischen als auch die reformatorischen Theolo­gen auf Augustinus berufen. Sein Sakraments­begriff ist offensichtlich sehr weit, so daß er für viele kirchli­che Riten paßt, die später nicht zu den Sakramenten gezählt wurden.

 

 

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