5. Abgrenzung des »Wortes« gegenüber

dem »Zeichen«

Es ist schwer, die Heilswirksamkeit der kirchlichen Verkündigung genau abzugrenzen gegenüber der Heils­wirksamkeit der Sakramente im engeren Sinne. Auf je­den Fall muß man dem Worte der kirchlichen Verkündi­gung zuschreiben, daß es die Sakramentalität der Ge­samtkirche ausdrückt. Im Worte der Verkündigung voll­zieht sich jeweils hier und jetzt die göttliche Selbstmit­teilung. Wie die heilshafte Gegenwart Gottes im Sakra­ment Zeichengestalt annimmt, nimmt sie in dem kirchli­chen Kerygma Wortgestalt an. Das Wort der Verkündi­gung ist jeweils Selbstdarstellung und Selbstvollzug der Kirche. Die Kirche steigt, wie sie im Sakrament je zur Höhe des Ereignisses emporsteigt, auch in ihrem kerygmatischen Wort je zu dieser Höhe auf.

Es ist verständlich, daß der Apostel Paulus gerade auf den Dienst am Worte das größte Gewicht legte. Vielleicht darf man sagen, daß die Heilswirklichkeit des Wortes in höherem Maße als jene des sakramenta­len Zeichens durch die Intensität des Glaubens und der Liebe des Verkündigers bedingt ist. Je mehr er selber in seinem Glauben und in seiner Liebe offen ist für Gott, um so mehr bietet er Gott gewissermaßen die Chance, durch das Wort seiner Verkündigung hin­durch den Hörer zu erreichen. Dennoch muß man hin­zufügen, daß auch dem Worte der kirchlichen Verkün­digung nicht jedes Element dessen fehlt, was wir das

 

28

opus operatum nennen. Denn es ist ja hier letztlich der im Heiligen Geist wirkende Christus, der sich den Men­schen zuwendet. Während wir jedoch von dem Worte der Verkündigung nur im allgemeinen sagen können, daß sich in ihm Gott dem Menschen heilshaft mitteilt, läßt sich von den sakramentalen Zeichen ein jeweils bestimmtes konkretes Heilsziel der göttlichen Selbst­mitteilung feststellen. Zunächst allerdings ist zu beto­nen, daß, was von der Gesamt­sakra­men­ta­lität der Kir­che gilt, auch von der kirchlichen Wortverkündigung gilt, daß nämlich in ihr Jesus Christus als der Gekreu­zigte und der Auferstandene wirksam ist. Dies aber be­deutet, daß auch in jeder kirchlichen Wortverkündi­gung das Kreuz Christi selbst heilsdynamisch gegen­wärtig ist. Die Gegenwärtigkeit des Kreuzes nimmt in der kirchlichen Verkündigung Wort­gestalt an. In den Sakramenten zielt das Heilswirken Gottes jeweils in eine bestimmte Situation der Kirche oder des einzelnen.

 

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Band V-3