4. ABSCHNITT

 

Die Nachfolgeschaft der übrigen Apostel:

Das Bischofsamt

 

1. Kapitel

 

Die Verwurzelung im Willen Jesu

 

1. Die Begriffe in der Schrift

 

Unter der Voraussetzung, daß die Bischöfe auf­grund göttlicher Bestimmung die Nachfolger der Apo­stel sind (siehe S. 50), läßt sich die theologische Er­klärung des Bischofsamtes unter Ausklarnmerung der nur den Aposteln zukommenden Aufträge aus der In­terpretation der den Aposteln von Christus übertrage­nen Aufgabe gewinnen. Wenn von den Aposteln auch nicht alle Elemente der Apostelschaft auf die Bischöfe als die Nachfolger übergegangen sind oder übergehen konnten, so haben die Apostel doch jene Aufgaben an die Nachfolger weitergegeben, welche die Verkündi­gung des Evangeliums und die heilswirksame Existenz der messianischen es­cha­tologischen Gemeinde bis zum Ende der Zeiten sicherstellen.

Das Wort Bischof hat sich aus dem griechischen Terminus »Episkopos« entwickelt. Das Wort Priester ist die Verdeutschung des Ausdrucks »Presbyter«. Die beiden griechischen Worte geben indes nicht genau wieder, was wir mit den Termini Bischof bzw. Priester

 

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meinen. Die Schrift gebraucht die Worte unter­schiedslos, insofern sie die gleichen Männer, die sie Episkopoi nennt, auch Presbyteroi nennt. Die Aus­drücke wollen offensichtlich nicht verschiedene Perso­nen, sondern nur verschiedene Funktionen der glei­chen Personen bezeichnen. Das Wort Episkopos hebt die Funktion des Vorstehers, das Wort Presbyteros das Ansehen und die Autorität hervor.

Für die Überlegung, daß die Apostel Nachfolger hatten und haben, ist das Seite 144ff dieses Bandes Gesagte zu vergleichen. Durch Christus ist zwar das ganze Priesterwesen sowohl des Alten Testamentes als auch der außerbiblischen Welt zu Ende gebracht worden. Es gibt keinen Priester außer ihm selbst. Auch Christus wird nur im Hebräerbrief (verfaßt zwi­schen 70 und 90) Priester genannt. Im übrigen wird das Wort auf keinen einzelnen Gläubigen innerhalb des neutestamentlichen Gottesvolkes angewandt. Dieses selbst allerdings wird in alttestamentlicher Ter­minologie ein priesterliches Volk genannt (1 Petr 2,9). Diese terminologische Situation berechtigt indes nicht zu der Behauptung, daß das Neue Testament keine priesterlichen Aufgaben kenne.

Der Apostel Paulus gebraucht geradezu den Aus­druck hierurgein (Röm 15,16: priesterlich tätig sein) für seine Verkündigungstätigkeit. Er spricht von einem priesterlichen Tun in dem Sinne der Verkündigung des Evangeliums. Er bezeichnet damit indirekt sein Tun als priesterliches Tun. Da das Wort allerdings nur ein ein­ziges Mal von der Tätigkeit eines Apostels gebraucht wird, darf man auf seine Verwendung kein zu großes Gewicht legen. Trotzdem wäre es gegen den Sinn des neutestamentlichen Schrifttums, wenn man behaup­ten wollte, daß ihm die Annahme eines Priestertums in der neutestamentlichen Epoche widerspreche oder

 

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daß dieses in den neutestamentlichen Schriften in kei­ner Weise bezeugt ist (siehe 0. kuss).

Wenn sich auch die Funktionen infolge des Werkes Jesu Christi sehr verändert haben, so läßt sich doch nach dem Hebräerbrief das Tun Jesu Christi mit dem alttestamentlichen Ausdruck vom priesterlichen Tun umschreiben. Christus aber wirkt fort in den Aposteln. Die Apostel sind an die Stelle der alttestamentlichen Kultdiener getreten. Sie sind von Christus zur Fortset­zung seiner Sendung berufen worden. Ihre Aufgabe ist von jener aller früheren Priester verschieden, weil durch Christus eine ganz neue Epoche des Gottesgfaubens eingeleitet wurde. Es ist daher verständlich, wenn ihre Aufgabe nicht mehr mit den bis dahin übli­chen Worten charakterisiert wird. Analoge Aufgaben aber sind geblieben und bleiben für immer, insofern es sich um den Dienst am menschlichen Heil handelt.

 

 

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