6.
Kapitel
Das
Bischofskollegium
als Zeichen
und
Bürge der Einheit und der Vielheit
Wie
im Papst die letztlich in der sakramentalen Dimension, nämlich in dem im
Heiligen Geist immerfort gegenwärtigen Christus begründete Einheit sichtbar
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wird,
so wird die Vielfalt und Universalität des Gottesvolkes sichtbar durch das
Bischofskollegium. Die Einzelbischöfe sind ja sichtbares Prinzip und
Fundament der Einheit in ihren Teilkirchen, insofern Cyprian sagt: »Der Bischof
ist in der Kirche und die Kirche ist im Bischof« (Brief 64,8). Die Bischöfe
sind die Repräsentanten der von ihnen geleiteten Teilkirchen. Die Gesamtkirche
aus den Teilkirchen ist nicht zu verstehen als die Addition von einzelnen
Summanden zu einer Summe. Vielmehr ist die von je einem Bischof geleitete
Teilkirche jeweils die Erscheinung der Gesamtkirche. Diese wirkt in jeder
Teilkirche. Wir können sagen: Die Teilkirche ist jeweils repräsentativ
identisch mit der Gesamtkirche. Zu einer solchen Aussage berechtigt die Lehre,
die wir in den paulinischen Briefen finden. Paulus schreibt an die Kirche in
Korinth oder an die Kirche in Thessaloniki oder an die Kirche der Galater. Jede
Einzelkirche stellt jeweils das Ganze dar. Wenn diese Sicht in der Theologie
nicht immer mit gebührendem Nachdruck hervorgehoben, ja lange Zeit vergessen
worden ist, so ist sie dennoch dem Bewußtsein der Gläubigen nie völlig
entschwunden. Die Teilkirchen sind wie Glieder, in denen immer das Ganze gegenwärtig
und wirksam ist. Gerade in dieser ihrer Eigentümlichkeit sind sie
Ausdrucksgestalten für die Vielfalt und für die Verschiedenheit, die
Pluriformität der einen Kirche. In der einen Kirche herrscht nicht die
Uniformität der völligen Gleichheit und Gleichartigkeit, sondern der
Pluralismus der Verschiedenheit, welcher nicht in sich ausschließende Gegensätze
auseinanderfällt, wenngleich das Ganze viele Spannungen in sich enthält.
Auch der Pluralismus ist in dem Wirken des Heiligen Geistes begründet. Der
Heilige Geist wünscht offenbar nicht die Einförmigkeit, sondern die Vielfältigkeit.
Diese wird in den vielen Bischöfen ebenso sicht-
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bar,
wie die Einheit des sakramentalen Grundprinzips der Kirche im Papste sichtbar
wird. In der Kirche spiegelt sich Gott sowohl als einer wie auch als dreipersönlicher.
Während
das hierarchische Prinzip der Kirche die Einheit durch die eine Spitze verbürgt,
wird durch die kollegiale Verbundenheit der Bischöfe untereinander die Einheit
auch in der horizontalen Ebene gewährleistet und versinnbildet, insofern das
Kollegium der Bischöfe die gesamte Kirche darstellt.