3. Kapitel

 

Personalisierung des Schriftwortes

 

So erhebt sich die Frage, wer der im stummen Buchstaben der Schrift objektivierten Heilsbotschaft die Stimme leiht, so daß das von Christus und den Aposteln proklamierte Wort in jeder Gegenwart hörbar wird. Man kann antworten: Jeder Christ, insofern je­der Christ durch Taufe und Firmung mit Christus ver­bunden und von seinem Heiligen Geist erfüllt wird. Das ist in der Tat die Meinung der evangelischen Theologie und wird auch von der katholischen Kirche nur in ihrer Einseitigkeit und Ausschließlichkeit abge­lehnt (vgl. die Ausführungen über den Laien). Nach Luther sind die Christen durch die Taufe Bischöfe und Priester. Ähnliche Ansichten vertraten schon vor ihm der Engländer Wiclif und der vielfach von diesem ab­hängige Hus. Luther nimmt dabei eine Gliederung an. Es gibt eine Berufung und außerdem eine Ordination durch die Gemeinde. Die so Bestellten haben das Amt der Verkündigung des Evangeliums und besitzen darin eine geistliche Gewalt. Es ist möglich, daß Luther zu seiner These kam, weil er glaubte, daß sich die berufe­nen Träger des geistlichen Amtes jener Zeit, nämlich

 

 

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die Bischöfe, dem Werke der Reform versagten, und daß sich aus diesem Grunde das Amt aus dem prie­sterlichen Auftrag eines jeden Christenmenschen kon­stituiere. Gegenüber dem Einwand, daß die Gemeinde nicht imstande sei, eine christliche Verkündigung zu prüfen und einen unrechten Prediger zu verwerfen, beruhigte sich Luther mit der Wirksamkeit des Heili­gen Geistes, so daß, wie er meinte, tatsächlich nicht geschehe, was an sich geschehen könnte, nämlich die Verderbnis der Lehre Christi.

 

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