10. Kapitel

 

Episkopos und Presbyter

 

Ein besonders aufschlußreiches, konkretes Beispiel für die Einsetzung von Gemeindeleitern und für den Übergang der alttestamentlichen Bezeichnung »Pres­­byter« zu der aus dem hellenistischen Bereich stam­menden Benennung »Episkopus« (Aufseher) bietet die Apostelgeschichte. In Kapitel 4, Vers 23, wird berich­tet, daß Paulus und Barnabas in den von ihnen ge­gründeten christlichen Gemeinden von Lykaonien und Pisidien Presbyter bestellt haben und sie unter »Gebet und Handauflegung« dem Herrn empfahlen, dem sie sich im Glauben zugewandt hatten. Die Bestellung ge­schah, wie wir an einer anderen Stelle der Apostelge­schichte erfahren (Apg 20,28), nicht aus eigener Voll­macht, sondern aus der Vollmacht des Heiligen Gei­stes, welcher die Presbyter zur Leitung der Gemeinde ausersehen hat. Während die Gemeindeleiter Apg 20,17 »Presbyter« genannt werden, spricht sie Paulus nach Vers 28 als »Episkopoi« an. Ihre Aufgabe ist es, die Gemeinde Gottes, die messianische Heilsgemein­de, zu weiden, das heißt zu leiten und einbrechende Gefahren des Verderbnisses und der Irrlehre mit Um­sicht und hingebender Sorge abzuwehren. Die Apo­stelgeschichte stammt aus den 80er Jahren. Der Be­richt über die Mahnung des Paulus an die Presbyter-Episkopoi von Ephesus, die Paulus nach Milet hat kommen lassen, bezieht sich auf die dritte Missionsrei­se (ca. 56).

Die gleiche Situation, daß eine Gemeinde von einem Kollegium von Vorstehern bzw. von Aufsehern gelei­tet wird, besteht in Philippi. Im Eingangswort des Brie-

 

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fes an die Christengemeinde in Philippi grüßt Paulus mit Timotheus die Christusgläubigen in dieser Stadt mitsamt den dortigen Episkopoi und Diakonen. Die Diakone als Amtsträger werden in dem Briefe zum er­sten Male genannt. Unter den Episkopoi sind wie in der Apostelgechichte die örtlichen Gemeindeleiter zu verstehen, die unter der aus der Ferne wirkenden Oberleitung des Apostels als Kollegium ihr Amt ver­walten. Sie haben dieselbe Stellung wie die Presbyter (Apg 11,30; 15; 16; 20,17; 21,18; 1 Tim 5,17; Tit 1,5; Jak 5,14; 1 Petr 5,1) und wohl auch wie die Hirten und Lehrer (Eph 4,11), wie die Vorsteher (1 Thess 5,12) und die Vorsitzenden (Hebr 13,7.17.24). Wie sehr sich Paulus als Vater der von ihm gegründeten Gemeinden weiß, die er aus der Ferne leitet, deutet sich darin an, daß er sich in seinen Briefen immer an die Gemeinde bzw. an die Kirche Gottes in einer bestimmten Stadt selbst wendet und erst in zweiter Linie an die dortigen Leiter.

 

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