2. Keine Definition der Kirche

 

Infolge ihres Geheimnischarakters entzieht sich die Kirche einer Definition im strengen Sinne. Eine solche müßte, sollte sie vollständig sein, auch die im ge­schichtlichen Verlauf des kirchlichen Lebens hervor­tretenden Elemente in sich aufnehmen. Dies heißt: Man müßte eine vollständige Kenntnis nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft der Kirche bis zu ihrem letzten Tage haben.

Die theologische Reflexion über das Wesen der Kir­che beginnt erst um die Wende vom 12. zum 13. Jahr­hundert. Dabei wurde vor allem das Verhältnis der päpstlichen Gewalt zur Gewalt des Königs untersucht. Erst in der Gegenwart, auf dem II. Vatikanischen Kon­zil, hat die Kirche eine verbindliche Interpretation ihrer selbst gegeben, nach einem nur stückweise gelun­genen Anlauf auf dem l. Vatikanischen Konzil (1869—1870). Diese Spätentwicklung erklärt sich wohl daraus, daß die Kirche kein Bedürfnis spürte, über sich selbst zu reflektieren, solange sie ohne allzu große Hindernisse und Gefährdungen ihre Aufgabe, von der sie ganz durchdrungen war, erfüllen konnte: Christus zu verkündigen.

Auch das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) hat in der Konstitution über die Kirche (LG) darauf verzich­tet, eine Definition zu geben. Es bietet im Anschluß an die Heilige Schrift verschiedene Bilder und Beschrei­bungen, ohne diese formell in einem einzigen Gesamt­begriff oder Gesamtbild zusammenzufassen.

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