4. Die Volk-Gottes-ldee in der nachapostolischen Zeit
In
der nachapostolischen Zeit wird die Volksidee aufgenommen, ohne allerdings eine
Vertiefung zu erfahren (vgl. z.B. Pastor Hermae 2, 2. 6 oder Justin der Märtyrer,
Dialog 123, 6f. 9, oder Eirenaios, Adversus haereses 3,9,1; 4,36; 4,2; 4,15,2).
Besonders ausführlich ist in dieser Frage Hippolyt. Origenes sieht in der
Kirche das wahre Israel. Nach Jesu Tod und Auferstehung haben die Kinder
Israels an Zahl gewaltig zugenommen. In der lateinischen Kirche wurde der
Begriff der Kirche als Volk Gottes durch Cyprian und Tertullian, vor allem durch
Augustinus gefördert. Tertullian verteidigt gegenüber dem Gnostizismus die Einheit
des alttestamentlichen und neutestamentlichen Gottesvolkes (Adv. Markionem 1,21;
Apg 21,4). Es läßt sich allerdings nicht übersehen, daß bei Tertullian die
große Zurückhaltung gegenüber der Verwendung des Volksbegriffes für die
Kirche anfängt. Die Kirche ist ja Volk nur als die vom Geist erfüllte
Gemeinschaft der Christusgläubigen. Ihr stehen als Fremdvölker nicht mehr wie
dem alttestamentlichen Gottesvolk die rassisch und blutmäßig anders Gearteten
gegenüber, sondern jene, welche an der neuen Geburt nicht teilhaben, durch
welche die Menschen Glieder dieses Volkes werden. Der Gebrauch des Begriffes
Volk ist nach Tertullian einem Mißverständnis ausgesetzt. Das neue
Gottesvolk ist nach ihm wesentlich Eucharistiegemeinde. Cyprian kennt einen
zweifachen Begriff vom Volk.
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Der
erste ist nach ihm aus der Gemeindeordnung beim Gottesdienst genommen und meint
die Laien, die sich mit dem Bischof zur Einheit verbinden und nur empfangend
an der Eucharistiefeier teilnehmen. Der zweite ist der Schrift entnommen und
meint die Kirche als das geistliche Volk der Glaubenden, welches an die Stelle
des alten Gottesvolkes getreten ist. Auch diese zweite Volksvorstellung hängt
eng mit der Eucharistiefeier zusammen, denn das Volk in diesem zweiten Sinn
stellt sich immer wieder dar in der Mahlfeier. Die an erster Stelle als die
Volksvorstellung Cyprians genannte These setzt sich immer mehr durch. Der
Begriff Volk gewinnt immer mehr die Bedeutung »Gemeinde der Laien«. Diese
Vorstellung hat die aus dem AT stammende und im NT noch herrschende Vorstellung
allmählich überlagert (J. Ratzinger, Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre
von der Kirche, München 1956).