3. Die Sendung (der Missionsauftrag)

 

Die Fülle der den Aposteln von Jesus während sei­nes irdischen Lebens verheißenen und nach der Aufer­stehung bestätigten Vollgewalt wird in ihrer letzten Aufgipfelung dargestellt durch den sog. großen Mis­sionsbefehl und die anderen Auftragsworte des Aufer­standenen an die Jünger. Bei Mt (28,16-20) heißt es: »Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sa­hen, fielen sie vor ihm nieder. Einige von ihnen aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu: Mir ist alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid ge­wiß: ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.«

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Das Wort Jesu ist dreiteilig. Den Anfang und die Grundlage für das Folgende bildet sein Vollmachts­wort. Darauf folgt der Missions- und der Taufbefehl. Den Abschluß bildet die Verheißung. Obwohl sich Je­sus während seiner irdischen Tätigkeit durch den Auf­trag des Vaters nur an Israel gesandt wußte (vgl. Mt 10,5; 15,24; Mk 1,38), so gilt die Sendung, welche er seinen Jüngern erteilt, der ganzen Menschheit. Die Si­tuation ist anders geworden. Das Evangelium und das durch Tod und Auferstehung geschaffene endgültige Heil ist für alle Menschen bestimmt (vgl. Mk 10,35; 13,10; 24,14). Die Situation hat sich durch das Heils­sterben Jesu verändert. Man darf dabei nicht verges­sen, daß sich schon während des irdischen Lebens Je­su die Loslösung von der jüdischen Volksgemeinschaft angebahnt und vorbereitet hat (vgl. Mt 3,7-10; Lk3,8; Joh 8,33. 37, 39f). Die Apostel sollen alle Völker, d.h. die ganze Menschheit, zu gläubigen Jüngern machen. Israel ist davon nicht ausgeschlossen, denn das Wort »alle Völker« bezeichnet nicht etwa die Heidenvölker im Gegensatz zu Jerusalem. Es wird vielmehr in die­sem Ausdruck das Judentum eingeschlossen. Der Missionsbefehl begreift den Taufbefehl in sich. Der Mensch wird ein Christ durch die gläubige Annahme der Botschaft Jesu. Der Glaube verleiblicht sich in der Taufe.

Die Taufe erscheint hier als der Eintritt in die Ge­meinschaft mit Jesus und der Jünger untereinander. Damit die Beauftragten Jesu angesichts der von Him­mel und Erde zu leistenden, für das Schicksal aller Menschen, für die ganze menschliche Geschichte, für den Kosmos entscheidenden Aufgabe nicht zu verza­gen brauchten und nicht verzagten, fügte Jesus die Verheißung hinzu, daß er bis zur Vollendung der Zei­ten bei ihnen bleiben werde. Mit diesem Worte ist na-

 

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türlich nicht eine rein passive Anwesenheit Jesu ge­meint. Er will vielmehr damit sagen, daß er zwar aus dem Bereiche sichtbarer Vertrautheit ausscheidet, daß er aber dennoch unsichtbar in ihrer Mitte und durch sie wirken werde. Hier wird noch einmal deutlich, daß die von Jesus beauftragten Jünger seine Vertreter (scheluchim) sind. Dies begreift in sich, daß sie vollbringen, was er ihnen aufgetragen hat, dies alles, aber nichts anderes. Sie können ihren Auftrag nur in Gehorsam gegen ihren Herrn erfüllen. Dennoch sind sie zugleich selbst verantwortlich. Die Entscheidung, die sie zu treffen haben, ist durch den Gehorsam, den sie zu lei­sten haben, nicht nur nicht ausgeschlossen. Der Ge­horsam selbst verlangt vielmehr immer wieder von neuem die Entscheidung für Jesus. So trägt der Voll­zug des ihnen übertragenen Auftrages zugleich ihre menschlichen Züge.

 

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