2.
Kapitel
Zwölf
1.
Zusammenhang von Abschiedsmahl und
Bestellung
der Zwölf
Die
kirchenstiftenden Akte Jesu können nicht verstanden werden ohne den
Zusammenhang mit der Mahlfeier. Dabei muß auf die Berufung der Jünger und auf
die Bestellung der Zwölf hingewiesen werden. Was zunächst die Berufung zur Jüngerschaft
betrifft (Mk 1,16-20; Mt 4,18-21; Lk 5,1-11; 10,11f), so erinnerte sie an die
Berufung jener Männer, denen Gott im alten Bunde besondere Aufgaben anvertraut
hat (Abraham, Mose, die Propheten), insbesondere an die Bestellung der 70
Helfer, die vom Geiste des Mose empfingen. Im Unterschiede zu anderen Lehrern
wählte Jesus seine Jünger selbst. Er hat sie nicht wie die Rabbinen ihre Jünger
an eine bestimmte Tradition oder Schulrichtung gebunden, sondern an seine
Person. Deshalb kann man auch nicht von Schülern sprechen, vielmehr muß man
die von ihm für immer zur Gemeinschaft mit ihm Berufenen »Jünger« nennen.
Bei
Johannes war der Jüngerbegriff besonders häufig. Die Jünger repräsentieren
die spätere Gemeinde gegenüber den ungläubig Gebliebenen, aber auch die
Angefochtenheit und die Glaubensschwäche der an Christus Glaubenden.
Kennzeichen der Jüngerschaft ist die Liebe (13,35) und die Befolgung der Gebote
Jesu (8,12. 31. 51). Der Kreis der Jünger bleibt vielfach unbestimmt. Oft
scheinen sie einfach die »Gläubigen« zu sein.
64