5. ABSCHNITT

 

Der erhöhte Christus und

das von ihm gesandte Pneuma als dauernder Existenz- und Lebensgrund der Kir­che

 

 

1.Kapitel

 

Die Kirche als Einheit

von Göttlichem und Menschlichem

 

 

Wenn in den bisherigen Ausführungen Christus und der Geist Christi in ihrer Bedeutung für das Entstehen der Kirche dargestellt wurden, so sollen sie in den fol­genden Ausführungen als der dauernde Existenz- und Lebensgrund der Kirche aufgezeigt werden. Wie für die Entstehung der Kirche und für die Art ihres An­fangs die Entscheidung der vom Christusgeist geleite­ten Jünger eine maßgebende Rolle spielte, so spielt für den Weitergang der Kirche, für ihr Erscheinungs­bild im Ablaufe der Jahrhunderte die freie Entschei­dung der die kirchliche Gemeinschaft tragenden Men­schen in noch höherem Maße ihre Rolle.

Hierbei ist, wie sich noch genauer zeigen wird, zwi­schen den »ordinierten« und den »nichtordinierten« Getauften zu unterscheiden. Sie bilden zwar eine Ge­meinschaft von Geistträgern. Aber die Gemeinschaft ist gekennzeichnet durch eine letztlich auf den Willen Christi zurückgehende und vom Christusgeist gewirkte Gliederung. Die ordinierten Getauften haben dabei ei-

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nen Dienst zu leisten, welchen nichtordinierte zu über­nehmen nicht in der Lage sind. Wenn auch ihr gegen­seitiges Verhältnis nicht einfachhin mit den Worten »Autorität« und »Gehorsam« umschrieben werden kann, so kommt doch den ordinierten Getauften eine Leitungsaufgabe zu, welche den übrigen nicht zu­kommt.

Der Grund für die Leitungsfunktion der einen im Un­terschied von den andern ist darin zu sehen, daß die ordinierten Getauften Christus als das Haupt der Kir­che darstellen, sei es in der Gesamtkirche, sei es in den die Gesamtkirche repräsentierenden und zugleich auf­bauenden Teilkirchen. Es ist fast unvermeidlich, daß dieser Unterschied zu Spannungen führt, die von bei­den Seiten verschuldet sein können, durch Überspan­nung der Leitungsbefugnis auf der einen Seite, durch Hyperkritik oder Ablehnung auf der anderen Seite. Wir werden jedoch sehen, daß die Spannung nicht zur Trennung fortschreitet, solange die Einheit in der ge­meinsamen Eucharistiefeier gewahrt bleibt.

 

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