2. ABSCHNITT

 

Das einheitliche Mysterium

von Menschwer­dung, Tod,

Auferweckung, Geistsendung

als ge­schichtlicher Ursprung der Kirche

 

 

1. Kapitel

 

Einheit Jesu Christi mit den Menschen

 

Wir können die vorhin genannte These dahin ergän­zen, daß die göttliche Selbstaussage von Anfang an auf die Sammlung der Menschen um den menschge­wordenen Logos zielte, nicht in der Form einer neuen hypostatischen Union, sondern in einer geheimnisvol­len, mit philosophischen Kategorien nicht adäquat ausdrückbaren und daher gewöhnlich »mystisch« ge­nannten Einheit aller Menschen mit dem menschge­wordenen Logos, dem brüderlichen Repräsentanten aller Menschen vor Gott, oder genauer mit dem als Seele der Kirche in ihr wirksamen Heiligen Geist. Für die analoge Beschreibung bietet sich das Wort der Bruderschaft mit Christus im Heiligen Geiste an. So liegt der letzte Ursprung der Kirche im ursprungslosen Gott selbst. Die Kirche bildet wie die Menschwerdung des Logos und in deren Rahmen die gesamte Schöp­fung ein Thema in der ewigen göttlichen Selbstaus­sprache, das heißt im Liebesgespräch zwischen Vater und Sohn, das sich in dem Heiligen Geist als dem himmlischen Wir vollzieht.

 

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Dies alles wird erst ganz verständlich, wenn man be­denkt, daß der Mensch Jesus, welcher nach der Schrift der Bruder aller ist, und so alle Menschen zu ei­ner Brüderschaft verbündet, mit dem Heiligen Geist Gott ist. So kann man sagen: Es gibt einen Menschen, und zwar jenen, welcher aller Bruder ist, den wir in vol­lem Sinne Gott nennen können und müssen. Dies hat zur Folge, daß alle Menschen zu ihm in real-ontologischer Beziehung stehen, nicht nur infolge des Schöpfungszusammenhangs aller mit allen, sondern weil Jesus Christus Gott ist. Die real-ontologische Be­ziehung wird durch den Glauben, als den Akt der Selbstüberantwortung an ihn, aktualisiert.

Was insbesondere den Heiligen Geist betrifft, so muß noch ein Gedanke angefügt werden: Der menschgewordene Logos hat nach dem Zeugnis der Schrift im Heiligen Geiste sein Leben und Sterben voll­zogen. In der Auferweckung wurde er selbst ein geist-durchwirktes Wesen. Als solches hat er den Geist in die Gemeinde der Seinigen »gesandt«. So ist er im Heiligen Geiste selbst in der Kirche gegenwärtig.

 

 

 

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