3.
Das biblische Zeugnis
a)
Der 1. Korintherbrief
Paulus
spricht einfach von den Gliedern Christi oder vom Leib Christi oder von dem
Leibe in Christus. Wir finden seine These von der Kirche als dem Leibe Christi
im 1. Korinther- und im Römerbrief, ferner im Epheser- und im Kolosserbrief.
Voll entfaltet ist sie erst in diesen beiden letzten.
Den
Anlaß zu der Interpretation der Kirche als eines Leibes oder als eines Leibes
in Christus gaben jeweils verschiedene Situationen in den von ihm angeschriebenen
Gemeinden. Im 6. Kapitel des 1. Korintherbriefes ist es eine falsche
Auffasung der christlichen Freiheit, welche den Apostel veranlaßte, den
Korinthern zu erklären, daß die Christen Glieder Christi sind und daher über
sich nicht nach Belieben verfügen dürfen. Infolge der Taufe ist der ganze
leibhaftig existierende Mensch Eigentum des Herren und kann daher nicht
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tun,
was ihm beliebt. Der Heilige Geist stellt eine so innige Einheit zwischen
Christus und den Christen her, daß der Christ so eng zu Christus gehört, daß
er unter der Herrschaft Jesu Christi steht und ihm zu Gehorsam verpflichtet
ist.
Deutlicher
und vollständiger entwickelt Paulus die Leib-Christi-Vorstellung im 10. Kapitel
des gleichen Schreibens (1 Kor 10, 14-17). Den Anlaß bietet die Teilnahme
mancher Korinther an den heidnischen Opfermählern. Die Christen leben aufgrund
ihrer Taufe in der Gemeinschaft mit Christus. Diese steht aber zur Gemeinschaft
mit den Dämonen, welche in der Teilnahme an den heidnischen Opfermahlen
gepflegt wird, in unversöhnlichem Gegensatz. Die Gemeinschaft mit Christus
wird nach Paulus dadurch begründet, daß der Segensbecher bei den kultischen
Feiern die Gemeinschaft im Blute Christi darstellt, daß das bei der
Gemeindefeier gebrochene Brot Gemeinschaft mit dem Leibe Jesu Christi, d.h. also
jeweils mit dem ganzen Christus schafft. Weil das Brot eines ist, so sagt er,
sind wir ein einziger Leib bei aller Vielheit. Der sakramentale Leib bzw. der
eucharistische Leib Jesu Christi und die Kirche als der (mystische) Leib Jesu
Christi gehören unlöslich zusammen. Der eucharistische Leib wird von Paulus
als Grund und Mitte des (mystischen) Leibes, d.h. der Kirche, bezeichnet.
Am
umfassendsten stellt Paulus seine Lehre von der Kirche als dem Leibe Christi im
12. Kapitel des gleichen Schreibens an die Korinther dar. Hier liegt der Ansatz
im liturgisch-sozialen Bereich. Die von Paulus gerühmten Geistesgaben in
Korinth laufen Gefahr, die Einheit der Christengemeinde in Korinth zu zerstören.
Paulus tadelt keineswegs die Geistesgaben, im Gegenteil, er sieht in ihnen den
Ausdruck eines lebendigen Glaubens. Er betont jedoch, daß die Geistesgaben in
das
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Ganze
des christlichen Lebens eingefügt werden müssen, daß sie insbesondere der
Auferbauung der ganzen Gemeinde, dem Wachstum des Glaubens, der Hoffnung und
der Liebe dienen müssen. Sonst würden sie ihrem Sinn und ihrem Ursprung
widersprechen. Es ist ja ein und derselbe Geist, welcher die verschiedenen Gaben
in der Gemeinde hervorruft. Der Geist ist zwar in der Gewährung der Gaben völlig
frei und souverän; da er aber in sich eins ist, bilden auch die vielen von ihm
gewährten Gaben eine Einheit. Paulus beleuchtet diese These von der Einheit der
Gaben durch einen Vergleich. Wie nämlich der menschliche Leib eins ist und doch
viele Glieder hat, alle Glieder aber, obgleich ihrer viele sind, nur einen Leib
bilden, so auch der Christus. Paulus will offensichtlich die Verbundenheit der
Gläubigen in Christus darstellen, so daß sich ihm an dieser Stelle statt des
erwarteten Ausdrucks »Geist« das Wort »der Christus« aufdrängt. Die
Getauften bilden nach Paulus eine Gemeinschaft im Geiste. Sie bilden nach
ihm geradezu einen Leib, und zwar nicht irgendeinen Leib, sondern den Leib
Christi (1 Kor 12,12). Christus und der Geist sind nach ihm der Einheitsgrund
für diesen einen, durch die Taufe geschaffenen Leib, für diese eine durch
die Taufe geschaffene Gemeinschaft der Gläubigen untereinander.