3. ABSCHNITT

 

Das Vorausbild der Kirche im Alten Testament

 

 

1. Das alttestamentliche Volk Gottes

 

Der alttestamentliche Bund war schon seit langem, ja im Grunde genommen von Anfang an von Seiten des menschlichen Bundespartners gefährdet. Er hat eine äußerst bewegte Geschichte. Er baute sich in den geschichtlichen Stufen des Noe-Bundes, des Abrahamsbundes und des Mosebundes auf. Der Bund ist ein gnädiges Geschenk Gottes. Abraham wurde der Stammvater der zwölf Stämme Israels.

Nach der Befreiung aus Ägypten wurden die Stäm­me Israels als Volk konstituiert und zwar als Volk Got­tes, als theokratisches Volk. Es wurde das Bundesge­setz verkündet und angenommen. Das Bundesmahl schloß sich an (Ex 24,1 f; 9ff). Das Entscheidende war, daß Gott, obwohl er der Gott aller Völker ist, in beson­derer Weise der Gott Israels sein wollte und dieses sein Volk sein sollte. Diese Situation hatte zur Folge, daß das Volk Israel nicht in der gleichen Weise »Volk« sein sollte und sein durfte wie jedes andere Volk, eine schwere, ja kaum zu tragende Last.

Die Aufgabe Israels bestand darin, den einen Gott zu verehren und ihn allen übrigen Völkern zu verkündi­gen (Ex 20,3-23). Es ist verständlich, daß dem Volke ein solches Volksleben nicht leicht fiel und daß es da­her immer wieder der Versuchung erlag, so zu leben wie die übrigen Völker, daß es immer wieder von dem einen Gott abfiel, schon in der ersten Stunde seiner Er­wählung und seiner Konstituierung, daß es sich ge­genüber den politischen, wirtschaftlichen, kulturellen

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und militärischen Mächten der Umwelt nicht auf den Schutz Gottes verließ, sondern den gleichen Kräften vertraute, mit denen ihm seine Gegner begegneten. Aber gerade dieses Mißtrauen rief immer wieder das Gericht Gottes heraus.

 

 

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