3. Sonderbelehrung der Zwölf

 

Wie wichtig für Jesus selbst dieses Ereignis war, ist daran zu ersehen, daß er sich durch das Gebet auf sein Tun vorbereitete. Die Berufung geschah im engsten Einvernehmen mit dem himmlischen Vater und in des­sen Auftrag. Dies zu sehen ist wichtig. Dieser kleine Kreis treu ergebener Anhänger, die Jesus als beständi­ge Begleiter umgeben, soll, nachdem die geistigen Führer des Judentums ihn ablehnten und der begei­sterte Zustrom der Volksmassen nachließ und in Feindschaft umschlug, in das Geheimnis des Gottes­reiches eingeweiht werden (Mk 4,10). Sie sind die wahren Brüder, Schwestern, Verwandten Jesu (Mk 3,34). Ihnen allein eröffnet Jesus das Messiasgeheim­nis. Die Leidensweissagung und die Belehrungen über den wahren Be­griff der Nachfolgeschaft waren nur für sie bestimmt (Mk 8,31; 9,30f; 10,32f; Mt 10,5-3; sie­he Bd. 3). Es wurde schon hervorgehoben, daß nur sie mit dem Herrn das Letzte Mahl feiern durften. Freilich waren auch sie schwerfällig im Begreifen dessen, was Jesus zu verkünden hatte (Mk 6,52; 8,17f; 8,32f; 9,9. 32; 4,40f; 6,50-52; 9,5-8; 9,34; 10,24.38-41; 14,37-50). Noch nach der Auferstehung verwechselten sie das Gottesreich mit einem irdischen Reich, in welchem es weltliche Machtstellungen gibt (Mk 10,3ff; Lk 24,21; Apg 1,6). Nach Mt 19,28 und der Parallele Lk 22,30 er­wartete die Urgemeinde, daß die Zwölf im kommen­den Gottesreich eine Rolle als Richter oder Regenten des vollendeten Israel spielen werden. Jesus hat die Zwölf wohl als die innerste Gruppe seiner Anhänger berufen und darin schon einen Hinweis auf die kom­mende Vollendung des Gottesreiches gesehen.

 

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