c) »Kirche« und »Himmelreich« im Worte Jesu

In dem Worte Jesu werden ohne genaue Unter­scheidung die Ausdrücke »Kirche« und »Himmelreich« gebraucht. Die Schlüsselgewalt bezieht sich auf das Himmelreich. Felsenfundament ist Petrus nach dem Matthäustext für die Kirche. Himmelreich und Kirche sind nicht identisch. Aber sie stehen in einem engen Zusammenhang, insofern die Kirche der Anfang und zugleich das Organ des Gottesreiches ist. Petrus eröff­net den Zugang zum Reiche Gottes, indem er durch seine Verkündigung und Leitung den Zugang zur Kir­che, zu dem Volke Gottes, eröffnet. Der Ausschluß aus dem Himmelreich, d.h. aus der Gemeinschaft mit Gott erfolgt, wenn jemand aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen wird, so daß umgekehrt die Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche zugleich die Aufnahme in das Reich Gottes bedeutet. (Damit soll naturgemäß nicht gesagt sein, daß die Gliedschaft in der Kirche eine absolute Garantie für die Aufnahme in das vollendete Gottesreich ist. Über diese Problematik wird in einem anderen Zusammenhang gehandelt wer­den.)

 

 

3. Die Überlieferung bei Lukas 22,27-32

 

Ein anderer Text, der Petrus betrifft, steht bei Lk 22, 27-32. Es entstand unter den Jüngern ein Streit, wer von ihnen als der Größte zu gelten habe. In seiner Antwort sagt Jesus unter anderem: »Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat: Ihr sollt in meinem Reich mit mir an meinem Tisch essen und trinken und Ihr sollt auf einem Throne sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Simon, Simon, siehe, der Satan hat sich euch ausgebeten, um euch

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zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich ge­betet, daß dein Glaube nicht aufhört. Du aber stärke, wenn du dich einst zurückgefunden hast, deine Brü­der.« Es ist ebenso überraschend wie bedeutungs­voll, daß Christus zunächst von dem Angriff Satans auf alle Jünger spricht, dann aber erklärt, daß er für Petrus betet. Satan wird sich für die Anfechtung des Leidens Jesu bedienen, um so den Glauben der Jün­ger zu erschüttern. Das Gebet Jesu zielt darauf, daß der Glaube des Petrus nicht dahinsinke. Offensichtlich sind Standhaftigkeit und Fall dieses Mannes für alle entscheidend. Petrus scheint sich auch in einer beson­deren Glaubenskrise zu befinden. So hoch die Verhei­ßungen sind, die ihm gegeben sind, so scheint doch gerade er besonders schweren Versuchungen ausge­liefert zu sein. In der Verleugnung, welche Jesus (Lk 22,33f) voraussagt, ist der Apostel in der Tat der Ver­suchung teilweise erlegen. Das Gebet Jesu hat jedoch verhindert, daß Petrus den Glauben gänzlich verlor. Dies war deshalb wichtig, weil der Apostel seinen Brü­dern, d. h. der Gemeinde Halt bieten soll. Jesus hat al­so für Petrus gebetet im Hinblick auf die kommende Gemeinde. Sobald Petrus selbst zurückgefunden hat, wenn er wieder zum vollen Glauben gelangt ist, soll er auch die übrigen stärken. Er soll ein Hort des Glaubens sein. Ein solches Wort hat Jesus zu keinem anderen gesprochen.

 

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