b)
Inhalt der Verheißung Jesu
Was
den Inhalt der Verheißung Jesu betrifft, so ist zunächst die Namensänderung
zu beachten. Der Name ist nach der urtümlichen Vorstellung nicht eine bloße
Etikette, sondern Ausdruck des Wesens bzw. der Aufgabe. Die Namengebung ist
daher ein ernster Vorgang. Die Annahme eines neuen Namens erfolgte in dem
Ablauf der Heilsgeschichte jeweils nur anläßlich eines wichtigen Einschnittes
(vgl. Gen 2,19. 23; 3,20; 4,1; 5,29; 16,11; 17,5; 32,29; 41,45; 1 Sam 1,20; 2
Kon 24,17; 2 Chr 36,4; Num 13,9-17; Jes 8,3; 17,14; 62,2; Jos 2,3; Dan 1,7).
Indem Jesus dem Simon den Namen oder vielmehr den Beinamen Kephas gab, hat er
zum Ausdruck gebracht, daß er ihm eine neue Aufgabe, eine neue Stellung geben
wollte. Der Name Simon wurde durch den Namen Kephas nicht ersetzt. Er kam nur
hinzu. Jesus selbst hat Simon noch bis zuletzt mit seinem ursprünglichen
Namen benannt (Mt 17,25; Mk 14,37; Lk 22,31. 34; Joh 21,15ff). Die Evangelisten
nennen ihn gewöhnlich Simon-Petrus (Lk 5,8; Joh 1,41; 6,8) oder bloß Petrus.
In der Urgemeinde wird der Apostel »Petrus« genannt, zunächst in der aramäischen
Form Kepha, dann in der gräzisierten Form Kephas. Paulus nennt ihn fast immer
Kephas (Gal 1,18; 2,7ff; 1 Kor 1,12; 3,22; 9,15; 15,5). Für ihn ist das Wort
offensichtlich schon Eigenname geworden. Aus der Funktionsbezeichnung hat sich
der Eigenname entwickelt.
Nach
dem Verheißungsworte Jesu soll Petrus das Felsenfundament der Kirche sein.
Christus verwendet für seine Verheißung an Petrus das Bild vom Bauen (vgl. Joh
2,19; Mk 14,58; 15,29; Apg 6,14). Damit der von ihm aufgeführte Bau Dauer und
Bestand hat und dem Gesetze der Vergänglichkeit entzogen bleibt, soll
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sein
Fundament ein Felsengrund sein. Da der von Jesus für die Kirche in Aussicht
genommene Grund eine Person ist, erhebt sich die Frage, welche Funktionen im
personalen Bereich einer Gemeinschaft unerschütterliche Festigkeit, Halt und
Sicherheit, Einheit und Dauerhaftigkeit geben können. Es ist die dem Petrus
verheißene Leitung der Kirche, welche er aufgrund der ihm zukommenden Autorität
vollzieht. Da die Kirche einer solchen Leitung teilhaftig wird, ist sie gegen
die von den Pforten der Unterwelt, d.h. von der Vergänglichkeit drohenden
Gefahren geschützt. Mit den »Pforten der Unterwelt« ist nicht die Macht des Bösen
oder des Unglaubens oder der Sittenlosigkeit oder des Hasses oder des Teufels,
sondern die Gewalt der Vergänglichkeit gemeint. Wenn Paulus Christus selbst
den Grund nennt, auf welchem gebaut wird, so drückt sich darin aus, daß jeder
von Christus Ermächtigte nicht sich selbst zu verkündigen hat, sondern
Christus predigen muß. In Petrus tritt es in Erscheinung. In ihm wirkt es.
Petrus ist das Medium jener Funktion Christi, welche Paulus meint, wenn er von
Christus als dem Felsengrunde spricht. Im Mittelalter hat Bonaventura den
Zusammenhang zwischen dem Felsenfundament Christus und dem Felsenfundament
Petrus mit dem Worte von Christus als der Petra und von dem Petrus als dem
Vicarius Petrae dargestellt. Auch die übrigen Apostel sind nach dem Zeugnis des
Epheserbriefes (2,19f) mitsamt den Propheten (soviel wie: den Cha-rismatikern)
der Grund, auf welchem das Haus Gottes gebaut ist. Sie sind dies im
Zusammenhange mit und in Abhängigkeit von Petrus, insofern sie ihre Vollmachten
mit ihm und unter ihm vollziehen.
Was
in dem Bilde vom Felsengrunde gesagt ist, wird in den beiden anderen Bildern, in
dem Bilde von den Schlüsseln des Himmelreiches und in dem Bilde vom
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Binden
und Lösen entfaltet. Die Schlüssel sind ein Sinnbild dafür, daß Petrus den
Hausherrn und Hauseigentümer, nämlich Christus, auf Erden vertritt. Mit der
Übergabe der Schlüssel wird er nach rabbinischem Sprachgebrauch zum Bevollmächtigten
Christi eingesetzt. Im Hauswesen der Gemeinschaft Christi, des neuen
Gottesvolkes, kommt dem Petrus als dem Vikar des Hausherrn die höchste
Ordnungsgewalt zu. Diese begreift auch die Lehrermächtigung in sich. Die
Rabbinen üben die Schlüsselgewalt aus, indem sie den in der Thora
niedergelegten Willen Gottes predigend, lehrend und richtend verkündigen und so
der Gemeinde Zugang zur Gottesherrschaft eröffnen (nach Jesu Lehre allerdings
verschließen: Mt 23,13). Christus als der einzig Verfügungsberechtigte verheißt
mit einer schon festgefügten Formel dem Simon Verfügungsgewalt über die
Heilsgüter der Gottesherrschaft (A. Vögtle). Durch das Wort seiner Verkündigung
öffnet er den Weg zu Christus, dies aber heißt, zu Gott, zum Vater im Himmel.
Der Hausverwalter und Schlüsselträger muß entscheiden, was nach Gottes
Hausordnung Recht ist, was als erlaubt und als verboten zu gelten hat. So spielt
das Bild von der Schlüsselgewalt hinüber in das Bild von der Binde- und Lösegewalt.
Was Jesus mit diesem letzten Worte dem Petrus sagt, spricht er nach Mt 18,18 sämtlichen
Aposteln zu. Offensichtlich kommt allen Aposteln zu, was dem Petrus zukommt.
Diesem aber kommt es in einer besonderen, den übrigen nicht zustehenden Weise
zu. Das Bild vom Binden und Lösen hat einen dreifachen Sinn. Es kann bedeuten:
den Bann verhängen und vom Banne lösen, d.h. aus der Gemeinschaft ausschließen
und wieder in sie aufnehmen, ferner: eine Verpflichtung auferlegen oder abnehmen
oder endlich: etwas für verboten oder erlaubt erklären.
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