7. Hirtenaufgabe des Petrus kein Herrenregiment

 

Im übrigen darf man für die Beurteilung der Tätig­keit des Petrus in der Urkirche nicht übersehen, daß die Vollzugsformen der Vorrangstellung in der Kirche wechseln. Das Hirtenamt im Sinne Jesu bedeutet nicht ein Herrenregiment. Jesus selbst hat die von ihm bestellten Vollmachtsträger ermahnt, die Herde im Geiste der Liebe zu leiten (Mt 20, 26ff; Lk 22, 25ff; Joh 13,1-20; 21,15f; 1 Petr 5,4). Die Ermächtigten sollen die Diener sein (Mt 20,28). Es widerspricht nicht dem Vorrang des Petrus, wenn er die Leitungsmacht in Fühlungnahme und in liebender Gemeinschaft mit der Gemeinde ausübte. Ähnliches begegnet uns auch in der späteren Kirchengeschichte. Petrus blieb, was er war, der oberste Hirte, auch als er Jerusalem verließ und dort Jakobus, der »Herrenbruder«, allein regierte. Er war, bevor er, wie wir annehmen dürfen, nach Rom ging, der Hirte auf Wanderung in der Fremde (1 Petr 2,11; vgl. Hebr 11,13).

 

8. Petrus und Jakobus

 

Daß er durch seinen Weggang aus Jerusalem dem Jakobus nicht die Primatsfunktion überließ, ergibt sich aus verschiedenen Beobachtungen. Insbesondere sei noch einmal daraufhingewiesen, daß nach 1 Kor 15,5, ein Text, der im Jahre 57 entstanden ist, der Aufer­standene zuerst dem Kephas erschienen ist. Die von Paulus berichteten Ostererscheinungen werden von ihm offensichtlich als Berufungsoffenbarungen be­trachtet. Deshalb werden die Frauen von ihm nicht ge­nannt. Petrus wird von Paulus als erster hervorgeho­ben. Jakobus folgt in erheblichem Abstände. Was Paulus in seinem Berichte bietet, ist eine in der Urge-

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meinde entstandene und dort formulierte Tradition. Man darf auch sagen, daß der Text Mt 16,16-19, der nach dem Ergebnis der formgeschichtlichen Methode ein aus Palästina stammendes Herrenwort ist, in das Evangelium erst eingehen konnte in einer Generation, in welcher das im Text Gesagte Wirklichkeit war. Des­halb muß Petrus zu der Zeit, als das Matthäusevangeli­um in Umlauf kam, als der führende Mann der Kirche bekannt gewesen sein. Die Kirche hätte sich lächerlich gemacht, etwa um das Jahr 80 das Evangelium zu ver­breiten, wenn Petrus nicht der war, der er nach der of­fiziellen Urkunde sein mußte (A.Vögtle, Messiasbe­kenntnis und Petrusverheißung, in: Bibl. Zeitschr. l, 1957, 252-272; 2, 1958, 85-103. J. Schmid, Petrus »der Fels« und die Petrusgestalt der Urgemeinde, in: Begegnung der Christen, Stuttgart-Frankfurt 1959, 347—359. A. Vögtle, Ekklesiologische Auftragsworte des Auferstandenen, in: Sacra Pagina II, Gemb­loux 1959, 280—294. J. Betz, Christus-petra-Petrus, in: Kir­che und Überlieferung, Festschrift f. J. R. Geisel­mann, Freiburg 1960, 1-21. J. Schmid, Petrus, in: HThG II, München 1963, 306-312. A. Vögtle, Petrus, in: LThK VIII, Freiburg 19632, 334-339).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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