4. Die Kirche als Instrument

der Selbstgegenwärtigsetzung Christi

 

Die Gegenwärtigsetzung geschieht demnach durch die im Heiligen Geist wirkende und in der im Heiligen Geist lebenden Kirche. Sie ist das Instrument der Ge­genwärtigsetzung des Heiles und zugleich dessen Ort. Dies bedeutet, daß die Kirche immerfort geprägt ist durch den gekreuzigten und auferweckten Christus und durch den Heiligen Geist. Sie erscheint in diesem Lichte als die um Jesus Christus im Heiligen Geiste versammelte eschatologische (d. h. endgültige und zu­gleich der absoluten Zukunft ent­­gegenpilgernde) Ge­meinde der an Christus Glaubenden und zugleich als die von ihm mit dem Heilsdienste Beauftragte (Heils­gemeinschaft — Heilsanstalt. Siehe die Präfationen und den Kanon der Eucharistiefeier).

Durch solche Überlegungen gewinnen wir einen mehrschichtigen Aspekt der Kirche. Sie ist christozentrisch und pneumatologisch, aber auch anthropologisch gebaut. In Jesus, dem menschgewordenen ewigen Gottessohn, ist Gott der Vater selbst gegenwärtig. Je­sus wurde in Band 4 als das Ursakrament, d.h. als das Urzeichen und Urwort der göttlichen Gnade verstan­den. Alle seine während des Lebens gesprochenen Heilsworte und alle seine Heilstaten bis hin zum Kreu­zestode und zur Auferweckung sind sakramentale Ge­schehnisse, wenn sie auch die Sakramentalität in ver­schiedener Dichte in sich bergen.

 

5. Sakramentalität der Kirche

 

Aufgrund der Gegenwärtigkeit Christi in der Kirche im Heiligen Geiste hat sie selbst sakramentales Geprä­ge. Ihre Sakramentalität ist eine abgeleitete. Die uns

 

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bekannten sieben Sakramente sind als besondere, durch bestimmte Situationen im Leben der Kirche und des einzelnen Gläubigen bedingte Ausdrucksgestalten der Gesamtsakramentalität der Kirche zu verstehen. Sie entstammen dem Willen Christi. So gesellt sich zu den bisher genannten Aspekten der Kirche der sakra­mentale. Diese Aspekte durchdringen sich gegensei­tig. Insofern die Kirche durch menschlich-geschichtli­ches Tun Organ des gegenwärtigen, im Heiligen Geist wirkenden, verklärten Christus ist, trägt sie anthro­pologisch-ge­schicht­li­ches Antlitz. Der sakramentale Charakter umfaßt und prägt alle übrigen Aspekte. Er ist ein ausgezeichnetes Strukturelement der Kirche.

Es ergibt sich: Sowohl die Gestalt der Kirche als auch die Art ihres Heilstuns ist trotz der wirksamen Heilsgegenwart Christi und des Geistes auch durch die geschichtlichen Entscheidungen der Kirchenangehöri­gen geprägt. Die Kirche ist keine spiritualistische Ge­gebenheit. Ihre Geschichtlichkeit erklärt, daß es in ihr menschliche Begrenztheit und Unvollkommenheit bis hin zu schweren Verfehlungen bei allen ihren Gliedern von unten bis oben gibt.

 

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