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Wird Christus in der Schrift »Gott« genannt?
Diskutiert
ist die Frage, ob im Römerbrief (9, 5) Christus förmlich Gott genannt wird.
Der Text lautet: »Sie (die Israeliten) haben die Väter, und aus ihnen stammt
dem Fleische nach Christus, der über allem steht, Gott, hochgelobt in alle
Ewigkeit. Amen.« Es fragt sich, ob die Schlussbemerkung »Gott, hochgelobt in
Ewigkeit« eine das Ganze abschliessende Doxologie
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ist. Dann würde von Christus selbst nur ausgesagt,
dass er dem Fleische nach von den Israeliten abstammt und dass er über allem
steht. Christus wäre in diesem Falle der Höhepunkt der von Gott dem Volke
Israel geschenkten Vorzüge. Eine solche Interpretation scheint jedoch
grammatisch schwer durchführbar zu sein. Die Formel »Gott, hochgelobt in
Ewigkeit. Amen« würde in dieser Interpretation wie ein Fremdkörper
dazwischengeschoben erscheinen. Wenn das Ganze nur einen Satz bildet, dann
wird Christus gepriesen als Gott in alle Ewigkeit, wie denn auch die alte Kirche
selbst in Röm 9, 5 ein klares apostolisches Zeugnis für die Gottheit Christi
sieht (K. H. Schelkle, Paulus der Lehrer der Väter, Düsseldorf 1956, 331-344).
Die Auslegung wird unterstützt durch die Tatsache, dass Paulus sein Gebet auch
an Christus selbst richten kann. Darin zeigt sich, dass er gegebenenfalls
wirklich das Wort Theos von Jesus aussagen konnte (0. Cullmann, Christologie des
Neuen Testamentes, 320). Vor allem aber ist es der dem Alten Testament
entnommene Kyrios-Name, der das gottgleiche Sein Jesu Christi darstellt.
Unsicher
ist die Textüberlieferung in Kol 2, 2. Nach der besser bezeugten Textgestalt dürfte
jedoch der Satz nicht die unmittelbare formale Aussage enthalten, dass Jesus
Gott ist. Man wird ihn wohl folgendermaßen übersetzen müssen: »Ich möchte,
dass ihre Herzen (derer, die den Apostel nicht sehen) aufgerichtet werden,
dass sie festgefügt seien in der Liebe, um reich zu werden an aller Gewissheit
und Einsicht, um zur Erkenntnis des Geheimnisses zu gelangen, das ist
Christus, in dem die Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen
sind.« Dagegen enthält der Titusbrief eine derartige formale
Glaubensaussage, wenn es im 2. Kapitel, Vers 12 und 13 heisst: »Sie (die
Gnade) leitet uns an, dass wir uns lossagen von der Gottlosig-
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keit und von den weltlichen
Lüsten und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben, indem wir warten
auf die selige Hoffnung und das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen
Gottes und Heilandes Jesus Christus.«