ee) Sohn Gottes nach Paulus

Den ältesten Gebrauch des Gottes-Sohn-Titels inbezug auf Jesus finden wir wohl in Röm 1, 3f, und in der Apostelgeschichte, und zwar in einer Rede des Apo­stels Paulus (Apg 13, 33). An der ersten Stelle werden mit Bezugnahme auf 2 Sam 7, 14. 16 in einer christli­chen Interpretation des an dieser Stelle genannten Da­vidssprossen, die Zusammenhänge zwischen der Schrift (= AT) und dem Heilsereignis Jesus Christus hervor­gehoben. Was den Text Röm 1, 3f selbst betrifft, so muss eine differenziertere hermeneutische Methode angewandt werden. Die Stelle hat nach dem Kom­mentar von H. Schlier, 1977, 33ff folgenden Sinn. Zu­nächst jedoch der Wortlaut (mit Vers 1 und 2): »Pau­lus, Sklave Chri­sti, zum Apostel gerufen, ausgeson­dert zum Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in den heiligen Schriften, (3) von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Samen Da­­vids dem Fleische nach, (4) der eingesetzt ist zum

 

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Sohn Gottes in Macht dem Geist der Heiligkeit nach, seit der Auferstehung der Toten, von Jesus Christus, unserm Herrn.« Paulus verwendet in diesem Text eine ihm vorgegebene und von ihm interpretierte und in dieser Gestalt vorgelegte christologische Credo-Formel, die er der römischen Gemeinde vor Augen stellt. Seine Änderung gegenüber der Urform des Tex­tes besteht in der Hinzufügung des Wortes »in Macht« zum Ausdruck »Sohn Gottes«. Jesus ist nach Paulus Sohn Gottes nicht erst geworden; er war es immer und ist es jederzeit und wird sich als solcher einmal of­fenbaren (1 Kor 8, 6; Phil 2, 6). Dies ist bekannt auf­grund seiner Auferstehung von den Toten.

Der Text bietet keine Zweistufentheorie im eigentli­chen Sinn, sondern zeigt die zwei Weisen seiner Exi­stenz. In seiner Parusie wird sich seine Macht endgül­tig offenbaren (2 Thess 1, 7). Paulus will der römi­schen Gemeinde sagen, dass er nicht etwa eine im Um­kreis einer anfänglichen judenchristlichen Theologie bestehende Ansicht vertritt, welche im irdischen Jesus den messianischen Nachkommen Davids sah und sei­ne Auferstehung als Adoption und Inthronisation zum Sohne Gottes verstand, sondern im Kern keine andere Christologie bekennt als sie selbst.

Gott dringt im schöpferischen Wirken des Heiligen Geistes vor in die menschliche Geschichte, indem er die Hervorbringung des Sohnes weiterführt in die Exi­stenz eines Menschen hinein; dieses Tun greift in der weiterwirkenden Liebeskraft, die der Heilige Geist ist, aus bis zur verwandelnden Erweckung des toten Jesus zum Herrlichkeitsleben.

 

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