ee) Revolutionierung des Messiastitels durch Jesus
Andererseits
aber konnte er sein Messiasgeheimnis nicht völlig verbergen. Er war ja dazu
gesandt, sich als Heilsbringer zu offenbaren. So ist es verständlich, dass er
unter seinen Jüngern ein Messiasbekenntnis provozierte. Als er mit seinen Jüngern
in die Dörfer von Galiläa zog, fragte er auf dem Wege: Für wen halten mich
die Leute? Sie erwiderten ihm: die einen für Johannes den Täufer, andere für
Elija, andere für Jeremia oder
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für
einen von den Propheten. Offenbar war alles davon überzeugt, dass in Jesus ein
Geheimnis anwesend war. Jesus fährt fort, an seine Jünger selbst die Frage zu
stellen: Für wen hattet ihr mich? Diese Frage impliziert, dass er von den Jüngern
eine andere, nämlich eine bessere Antwort erwartet. In der Tat, Petrus, der
Sprecher der übrigen, gibt die Erwiderung: Du bist der Messias (Mt 16,
13-16). Es ist aufschlussreich, dass Markus daran den Satz knüpft: Da gebot er
ihnen streng, dass sie mit niemandem über ihn reden sollten (Mk 8, 27-30). Hier
zeigt sich, dass Jesus das Messiasbekenntnis der Seinen nicht ablehnte. Er hat
es vielmehr angenommen. Er hat sich damit selbst indirekt als Messias bekannt.
Aber um der bestehenden Situation willen, in welcher das Messiasbekenntnis gefährliche
politische Auswirkungen hätte hervorrufen können, gebot er Schweigen, wohl
wegen der von der römischen Besatzungsmacht stets mit Misstrauen betrachteten
Zelotenpartei, die eine gewaltsame Vertreibung der Römer anstrebte. Dies ist
allerdings nicht der einzige Grund für das mehrfache Schweigegebot Jesu. Man
wird annehmen müssen, dass er das Kreuz in seine Sendung einbezog und daher
eine explizite Verkündigung erst nach seinem Tode oder vielmehr nach der
Auferweckung forderte (siehe Mk 1, 24f. 34. 44; 3, 11; 5, 43; 7, 35f; 8, 29f; 9,
9 und Parallelstellen; R. Pesch, l, 148; II, 36-47). Es entspricht der Sorge
Jesu, keine falschen Messiashoffnungen in seinem Jüngerkreis aufkommen zu
lassen. Nur so ist seine schroffe Zurückweisung des Petrus verständlich. Er
ist der leidende, der gekreuzigte Messias.
Man
darf das messianische Heil nicht allzuschnell verinnerlichen und vereinzelnen,
aber auch nicht voreilig und allzu heftig vergesellschaften und verpolitisieren.
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Die
messianische Praxis ist vor allem Christusnachfolge, Umkehr, Liebe. Sie gibt
aber keine Anweisungen für bestimmte soziale oder politische Formen. Sie
weist zwar solche Gestalten des politischen und sozialen Lebens als
Widerspruch zum Christusglauben ab, in denen die Menschen aufgrund der
Strukturen solcher Gebilde ausgebeutet und unmenschlich behandelt werden.
Sie bietet jedoch zu den dem Christusglauben widersprechenden Gestalten oder
Ungestalten keine allein gültige positive Gruppenalternative.