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Jungfräuliche Empfängnis und Geburt
Keinen
unmittelbaren Einblick in das Sein Jesu gibt die in der Kindheitsgeschichte bei
Mt (1, 18-21) und bei Lukas (1, 26-38) enthaltene Bezeugung der Jungfräulichkeit
seiner Empfängnis und seiner Geburt. Ma-
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ria
stellte sich trotz ihrer Verlobung mit Josef im Augenblick der von Gott ihr
erteilten Botschaft vorbehaltlos und ausschließlich in den Dienst des göttlichen
Heilsplanes. In diesem Augenblick empfing sie durch die Kraft des Heiligen
Geistes ihren Sohn, welcher der ewige Sohn Gottes war, sowohl im Geiste als auch
im Leibe. Der Heilige Geist wird in dieser Vorstellung nicht als zeugender Vater
bzw. als zeugendes Prinzip, sondern als wirkende Kraft der Empfängnis Jesu verstanden.
Die Vorstellung einer vaterlosen Zeugung ist dem Alten Testament fremd. Sie
unterscheidet sich auch wesentlich von den heidnischen Mythologien, nach denen
ein Gott sich mit einer irdischen Frau verbindet und nach der Art eines
irdischen Vaters ein Kind zeugt. Die Jungfräulichkeit der Empfängnis und der
Geburt Jesu ist daher als eine dem Neuen Testament eigene Offenbarung zu
bezeichnen. Diese Offenbarungsaussage ist allerdings im Alten Testament
vorbereitet, und zwar durch jene Erzählungen, nach denen große »Väter«
von Müttern geboren wurden, welche nach menschlichem Ermessen unfruchtbar
waren (Gen 18; 1 Sam 1). Die Verheißung des Messias bei Jesaia (7, 14) als des
Heilsbringers und seine Geburt von einer jungen Frau wurde wohl schon von den
griechischen Übersetzern der Septuaginta als Prophetie der Jungfrauengeburt
verstanden. Jedenfalls wird die Jesaias-Stelle von Matthäus in diesem Sinne
gedeutet. Die These allerdings, dass es sich bei den Texten der
Kindheitsgeschichte um eine Gebetserhörung, oder dass es sich um eine
Darstellungsform für die wunderbare Geburt des Messias handelt, bleibt hinter
dem Aussagesinn zurück und übersieht das Entscheidende. Die Annahme einer
literarischen Form hat eine gewisse Bedeutung, wenn wir nach dem Grunde der
Jungfräulichkeit für die Empfängnis und Geburt Jesu
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fragen. Dieser liegt keineswegs darin, dass die ewige
Sohnschaft Jesu betont werden sollte und ein irdischer Vater Jesu eine
unangemessene Konkurrenz mit dem himmlischen Vater des präexistenten Logos gewesen
wäre, auch nicht darin, dass eine gewöhnliche irdische Zeugung des ewigen
Gottessohnes unwürdig gewesen wäre, sondern in der Zeichenhaftigkeit. In der
jungfräulichen Empfängnis und Geburt Jesu kommt die schöpferische Heilsmacht
Gottes und der Initiativcharakter, näherhin die Gnadenhaftigkert des durch kein
menschliches Tun veranlassten Heilswirkens Gottes zum Ausdruck. Die Jungfräulichkeit
der Empfängnis Jesu ist also ein Symbol, aber nicht in dem Sinne einer
sprachlichen bildhaften Darstellung, sondern im Sinne eines realen Geschehens.
Sie ist Realsymbol. Das reale Faktum der jungfräulichen Empfängnis ist ein
Zeichen. Es ist immerwährender Inhalt des kirchlichen Glaubens.
Es gehört zu den ältesten Glaubensüberzeugungen der
Kirche, dass Maria nach der Geburt Jesu, ihres »Erstgeborenen« (Lk 1, 7; vgl.
Mt 1, 25) infolge ihrer totalen Selbstüberantwortung an die von Gott ihr gestellte
Aufgabe und dadurch an Gott selbst auf den ehelichen Umgang mit Josef verzichtet
hat. Die in der Schrift mehrfach genannten »Brüder Jesu« (Mk 3, 31 ; 6, 3
par; Joh 2, 12; Apg 1, 14; 1 Kor 9, 5; Gal 1, 10) können nach dem Wortlaut
leibliche Brüder Jesu sein, nach dem biblischen Griechisch können sie jedoch
auch Verwandte Jesu sein (Gen 13, 8; 14, 14). Die katholische Exegese hat im
allgemeinen das letzte angenommen. Nach Mk 6, 3; 15, 40 ist Maria, die Mutter
der Brüder Jesu, von der Mutter Jesu selbst verschieden (J. Blinzler, Die Brüder
und Schwestern Jesu, Stuttgart 1967. Weitere Ausführungen über Marias Jungfräulichkeit
im Band »Mariologie«)
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