d) Jesu eigene Erfahrung als Heilsbringer

 

Die im Jahre 1901 zuerst von dem protestantischen Theologen W. Wrede aufgestellte These, dass Jesus keinerlei Heilsbringerbewusstsein hatte, wird heute in mannigfachen Gestalten vertreten. E. Stauffer z. B. ist der Meinung, dass Jesus wohl ein gewisses verborgenes Gottessohnbewusstsein hatte, sich aber nicht als den messianischen Menschensohn verstand. Der evangelische Theologe G. Bornkamm ist der Ansicht, dass es keinen einzigen sicheren Beweis dafür gibt, dass sich Jesus irgendeinen der damals gebräuchlichen messianischen Titel selber beigelegt habe. W. Bousset vertritt die Überzeugung, dass die neutestamentliche Gestalt des Jesus aufgrund der Ostererfahrung von den Anhängern und Jüngern geschaffen worden sei, nach dem Modell der hellenistischen Kyriosvorstel-

 

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lung. R. Bultmann glaubt, dass das Material hierfür der gnostische Erlösermythos geboten habe. Andere wieder sind der Meinung, erst der Osterglaube der Jünger habe die Überzeugung hervorgerufen, dass das Werk Jesu das letzte Wort Gottes an die Welt, dass Kreuzigung und Auferweckung die entscheidenden Akte in der Geschichte Gottes mit den Menschen seien. Hier wird also ein Gegensatz zwischen dem Jesus der Geschichte und dem Christus des Glaubens angenommen. Jesus wird als reiner Mensch verstanden, etwa als ein Prophet und ein Lehrer von besonderer Begabung. In der irdischen Geschichte Jesu sei kein Grund für den Glauben der Kirche und für die neutestamentliche Theologie.

 

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