h)
Die Zeichen
aa)
Die Machttaten als Zeichen
Das
Selbstzeugnis Jesu wird bestätigt durch die Machttaten, welche der Sohn, bzw.
durch den Sohn der Vater gewirkt hat. Üblicherweise werden sieben solcher
Machttaten genannt: die Verwandlung des Wassers in Wein in Kana (2, 1-11), die
Fernheilung des Sohnes des königlichen Beamten in Kafarnaum (4, 46-56), die
Heilung des Mannes am Betesdateich (5, 1-5), die Speisung der Fünftausend (das
Brotwunder: 6, 1-12), das Seewandeln (6, 16-21), die Heilung des Blindgeborenen
(9, 1-41), die Auferweckung des Lazarus (11, 1-36).
Die
Machttaten wollen öffentliche Zeichen der Herrlichkeit Gottes bzw. Jesu für
den Glaubenden sein. Da bei dem Seewandel der Chrarakter der Öffentlichkeit
nicht deutlich ausgesprochen ist, kann man bezweifeln, ob man ihn wie die übrigen
Machttaten zu den Zeichen rechnen darf. Johannes verwendet für die Machttaten
Jesu noch ein anderes Wort, nämlich das Wort vom »Werke«. Die Werke legen
Zeugnis von Jesus ab. Sie bezeugen ihn und sollen ihn bezeugen als einen
Gottgesandten. Sie sind Zeugnisse des Vaters für den Sohn. Sie sind Werke des
Vaters durch den Sohn. Sie gehören in den Gedankenkreis der Sendung. Sie
rufen zum Glauben.
Sie
»lenken den Blick mit aller Gewalt auf den, der sie wirkt, und machen die ihm
verliehene Hoheit und Heilsmachttransparent« (R. Schnackenburg, Das Johannesevangelium,
l, Freiburg 1965, 352. Siehe den Exkurs; Die Johanneischen Zeichen, ebda.
344-356). Besonders deutlich ist der Zeichencharakter bei der Heilung des
Blindgeborenen. Auf die Frage der Schriftgelehrten bekennt der Geheilte Jesus
zunächst
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als Propheten. Als ihn Jesus
fragt: »Glaubst du an den Sohn Gottes?«, erwidert er: »Wer ist es denn, Herr,
dass ich an Ihn glaube?« Jesus antwortet: »Du siehst ihn, der mit dir spricht,
der ist es.« Darauf bekennt der Geheilte: »Herr, ich glaube.« Die Machttat
hatte also christologische Offenbarungsfunktion. Diese kann allerdings nicht
von der soteriologischen getrennt werden. Was immer Christus sagt und tut,
offenbart ihn und wirkt Heil (Fr. Mussner, Die Wunder Jesu, München 1967.
Derselbe, Die johanneische Sehweise und die Frage nach dem historischen Jesus [Quaestiones
disputatae 27], Freiburg 1965. S. Hofbeck, Semeion, Münsterschwarzach 1966).
Auch die Szene mit dem Seewandel ist aufschlussreich (siehe S. 38f). Während
nach Markus die Jünger außer sich geraten (Mk 6, 47-56), als sie Jesus über
den See wandeln sehen, nach Matthäus anbetend niederfallen und sagen: »Wahrhaftig,
du bist Gottes Sohn!« (Mt 14, 33), konzentriert sich bei Johannes die Epiphanie
Jesu in die Formel: »Ich bin es« (Joh 6, 20). Hier ist der christologische
Glaube der Kirche voll entfaltet. Diese Vollentfaltung spiegelt sich in der
johanneischen Gestaltung des Vorgangs.