b)
Die Präexistenz Jesu
aa) Jesus der Messias
Der
Evangelist bezeichnet, wie wir sehen werden, (S. 75f), Jesus Christus als den
Logos, der im Anfang war, der bei Gott war, ja, der Gott war (Joh 1,1). Diese
Formeln sind eine Wesensaussage, keine Funktionsbezeichnung. Wenn der Logos »Gott«
genannt wird, in einer Weise, dass Gott nur als Prädikat verstanden werden
kann, so wird das Verhältnis des »Gott« genannten Logos zum
alttestamentlichen Monotheismus nicht völlig geklärt. Dies geschah erst auf
dem Konzil von Chalkedon in verbaler und sachlicher Auslegung von Joh 1, 14.
Auf jeden Fall wird der Logos Joh 1, 1 in den Lebensbereich des einen Gottes
einbezogen.
Ähnlich
wie in den synoptischen Evangelien wird auch bei Johannes Jesus für einen
Propheten gehalten: 6, 14 (»Als die Leute das Zeichen sahen, das er getan
hatte, riefen sie: Wahrhaftig, dieser Mann ist der Prophet, der in die Welt
kommen soll«); 7, 40. 52. Auch der Name Rabbi (Meister, Lehrer) wird ihm zugelegt
(1,38. 49; 3,2; 4,31; 6,25; 9,2; 11,8). Dieser wechselt gelegentlich mit dem
Worte »Kyrios« 16, 34. 68; 13, 6. 9. 13). Während jedoch in den paulinischen
Schriften das Wort »Kyrios« eine ausserordentliche Tragweite hat, insofern
sich in ihm der atttestamentliche Jahwename in griechischer Übersetzung
darstellt, hat sich bei Johannes das Wort »Kyrios« nicht durchgesetzt. Es hat
sich bei ihm nicht als Hoheitsaussage entfaltet.
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Ebenso
tritt uns bei Johannes die Messianität Jesu mehrfach vor das Auge (Joh 1,
19-51). Johannes der Täufer übernimmt geradezu die Aufgabe, Jesus dem
Heilsvolke Israel als den erwarteten Messias vorzustellen und bekanntzumachen
(Joh 1, 30). Der Täufer begründet dieses sein Zeugnis für die Messianität
Jesu damit, dass Jesus der Geistträger und der Geistspender ist, dass er den
Geist in Fülle besitzt, dass er daher auch die Menschen mit dem Geiste taufen
kann (Joh 1, 31 f; vgl. 1, 42. 49). Zu nennen sind auch die messianischen
Streitgespräche im siebenten und neunten Kapitel des Johannes-Evangeliums.