ii)
Die Machttaten des Messias
In
den von Jesus gewirkten Machttaten hätten die Zeitgenossen, wenn sie die
Zeichen der Zeit verstanden hätten, den Anbruch des messianischen Gottesreiches
erkennen können. Die Machttaten umfassen Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen,
Totenerweckungen und Naturwunder (Stillung des Seesturms, Fischfang,
Brotvermehrung, Wandeln über dem See). Der Sinn und der Zweck dieser Machttaten
besteht nicht erstlich darin, dass Jesus mitleidigen Her-
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zens eine augenblickliche
Not überwindet, erst recht nicht darin, Aufsehen zu erregen oder Schaulustige
zu befriedigen (vgl. Mt 6, 5; 5, 34; 10, 25; 13, 53-58), Die Machttaten sind
vielmehr das Siegel Gottes auf die Selbstaussage Jesu Christi und noch in höherem
Masse Zeichen der herbeigekommenen Gottesherrschaft. Sie sind das Morgenrot
der endgültigen Zukunft und daher eschatologisch zu verstehen. Sie sind die
Offenbarungen der gegenwärtigen und der zukünftigen Herrlichkeit und Macht
Gottes und als solche Gottes Zeugnis für das Wort des Herrn (Apg 2, 22; 10, 38;
Mt 11, 2-5; Mk 1, 23-28. 40-45; 2, 1-12; 3, 27 par.).
Besonders
aufschlussreich ist die schon einmal erwähnte, von Markus (2, 1-12)
berichtete Krankenheilung. Sie war aufsehenerregend, ja erschütternd. Der
Kranke und seine Freunde ließen es sich etwas kosten, um zu Jesus zu gelangen.
Um so größer mag ihre Bestürzung gewesen sein, als der Herr zusicherte, was
gar nicht erbeten war, aber zunächst nicht gewährte, was mit so großer Mühe
zu erreichen versucht wurde. Der Kranke mag es geradezu als peinliche Bloßstellung
empfunden haben, dass Jesus in aller Öffentlichkeit von seiner Sündhaftigkeit
sprach, indem er ihm die Sündenvergebung zusicherte. Indes die Enttäuschung
war heilsam. Jesus deckte die hintergründige Verlorenheit auf, die der Mensch
selbst nicht kennt, von der er daher auch nicht geheilt zu werden begehrt, deren
Symptome jedoch alle anderen Nöte sind. Durch diese Enthüllung wurde die
Situation aller Anwesenden aufgedeckt. Jesus erklärte, dass er die Urnot des
Menschen, nämlich seine Ferne von Gott, heilen will. Die Anwesenden hören
aus den Worten Jesu zugleich heraus, dass er gewähren zu können beansprucht,
was keinem Menschen zu gewähren gestattet ist. Sie haben zwei Möglichkeiten
gegenüber diesem Anspruch
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des Herrn: Sie können ihn als den Ausdruck von Irrsinn
belachen oder bemitleiden, oder sie müssen Jesus als Lästerer verdammen,
falls sie nicht den Christus, den zu solchem Tun ermächtigten Gesandten
Gottes anzuerkennen vermögen. Die erste Möglichkeit kommt ihnen nicht in den
Sinn. Offensichtlich macht Jesus so sehr den Eindruck von Erhabenheit, Würde
und Größe, dass der Gedanke, es mit einem Anomalen zu tun zu haben, nicht
aufkommen kann. So bleibt nur die zweite Möglichkeit, Christus zu verwerfen,
weil er sich Gott gleichstellt, falls sich die Beteiligten nicht zum Glauben an
ihn als den von Gott Ermächtigten durchzuringen vermögen.