Das
Wort vom »Gottesknecht«
Sowohl
in der Tempelrede des Petrus als auch im Gemeindegebet (Apg 4, 26-30) zeigt
sich, dass die Formeln vom »Gerechten«, vom Heiligen, vom Messias das
gleiche bedeuten wie die Formel vom »Gottesknecht«. Der Ausdruck »Gottesknecht«
war im Alten Testament und auch im Spätjudentum sowohl eine demütige
Selbstbezeichnung als auch ein Ehrenname frommer Israeliten und des ganzen
Volkes selbst, insbesondere der von Gott zu einer besonderen Aufgabe berufenen
Männer wie etwa Abrahams, Moses und Davids. Im außerkanonischen und
nachkanonischen Schrifttum wird der endzeitliche Heilsbringer von Jah-
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we gelegentlich mit dem Worte »mein Knecht« angeredet.
In den Tagen Jesu war allerdings dieser Terminus kein selbständiger Würdename,
der allein für sich ohne nähere Umschreibungen oder Beschreibungen eine
besondere Gestalt des Heilsbringers bezeichnet hätte. Wenn er gebraucht wird,
muss man den Sinn der Aussage aus dem Zusammenhang erschließen. Wie David, so
ist auch sein Nachkomme Jesus Knecht Gottes, der heilige Gottesknecht, den Gott
selbst gesalbt hat (Apg 4, 27). Durch den Gottesknecht sollen Zeichen und
Wunder geschehen (Apg 4, 30). Der Titel verweist also nicht etwa auf das Leiden
Jesu, sondern auf Herrschaft und Macht. Der alttestamentliche Hintergrund
ist demgemäss nicht Dtn-Jes 53, sondern Dt-Jes 42, 2 und 61, 1: »Der Geist des
Herrn kam über mich, weil mich der Herr gesalbt hat.« Letztlich bedeutet das
Wort »Gottesknecht« nichts anderes als Messias. Vielleicht stellt dieses Prädikat
die älteste Erklärung des Geheimnisses der Person und des Werkes Jesu dar.
Es ist eine fast geheiligte Wendung.