d) Wunder und Gottesherrschaft
Ein vielfältig aufschlussreiches Wunder stellt die Heilung des Gelähmten in Kafarnaum dar (Mk 2,1-12; Mt
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9, 1-8; Lk 5, 17-26). Als man einen Gelähmten durch das Dach eines Hauses vor Jesus brachte, »und als Jesus ihren Glauben sah, sagt er zu dem Gelähmten: ,Kind, vergeben sind deine Sünden.' Es sassen aber einige von den Schriftgelehrten dort und dachten in ihren Herzen: ,Was redet der so? Er lästert! Wer kann Sünden vergeben ausser der eine Gott?' Und sogleich erkannte Jesus in seinem Geiste, dass sie so bei sich dachten, und sagte zu ihnen: ,Warum denkt ihr das in eurem Herzen? Was ist leichter, dem Gelähmten zu sagen: ,Vergeben sind deine Sünden', oder zu sagen: ,Steh auf, nimm deine Bahre und wandle?' Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, ,auf Erden Sünden zu vergeben' — sagte er zu dem Gelähmten: ,lch sage dir, stehe auf, nimm deine Bahre und geh heim in dein Haus.' Und er stand auf und sogleich nahm er die Bahre und ging hinaus vor ihnen allen, so dass alle ausser sich gerieten und Gott priesen und sagten: ,So etwas haben wir noch nie gesehen.'« Diese Szene offenbart, dass Jesus alle menschliche Not in der Wurzel angreift. Die Wurzel ist die Trennung des Menschen von Gott (siehe Gen 3). Gerade diese tiefste Quelle allen Unheils wollte Jesus überwinden. Der Kranke war wohl nicht sündiger als alle. An ihm wird jedoch die Gottesferne der Menschen und die Verwurzelung allen menschlichen Leides in ihr illustriert. Auf der anderen Seite offenbart der Vorgang, dass die Vergebung nicht etwas rein Innerliches bleibt, sondern den Menschen in seiner Totalität, auch in seiner Leiblichkeit, wieder in die Herrschaft Gottes zurückholt (E. Schweizer, Das Evangelium nach Markus, Göttingen 1967, 32f). »Nach Jesus sind alle die Kranken, die er heilt, und die Toten, die er erweckt, nicht die von Gott wegen ihrer Sünden Geschlagenen, sondern die Opfer des Starken, die ihm der Stärkere nun
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entreisst (vgl. Mk 3, 27 Par.). So führt Jesus in seinen Wundern die Schöpfung schon anfangshaft ins Heile, und so zeigt sich das Heil der Gottesherrschaft, die in Jesus schon gewaltig hereinbricht, gerade auch in seinen Wundern an. Dieses Heil umfasst nicht nur die ,Seele' des Menschen, sondern ebenso seinen Leib und darin die ganze Schöpfung« (Fr. Mussner, Die Wunder Jesu, München 1967, 52). Da sich nach biblischer Überzeugung die Schöpfungsfeindlichkeit Satans auch in Naturkatastrophen äussert, kann man auch die »Naturwunder« (Mk 4, 35-39 Parr.) nicht aus der Verkündigung der Gottesherrschaft durch Jesus ausschliessen (vgl. R. Pesch, Das Markusevangelium, I, 151ff).