dd) W. Marxsen 

 

Während R. Bultmann die Auferweckung als Ereignis für unwichtig erklärt, wird, wie man sagen muss, der Ereignischarakter der Auferweckung als solcher von W. Marxsen formell geleugnet. Das Auferstehungszeugnis der Jünger ist nach ihm ein zeitbedingtes »Interpretament« von Widerfahrnissen (das Sehen Jesu = Wissen), die ihnen nach dem Tode Jesu zuteil geworden seien. Der Inhalt dieser Überzeugung ist nicht die »Wiederbelebung« Jesu, sondern das Bewusstsein, dass »die Sache Jesu weitergeht«. Diesen Schluss zogen sie aus den angedeuteten »Widerfahrnissen«. Ursprünglich hätten die Jünger diese Widerfahrnisse als einen Sendungsauftrag und als Legitimation ihrer Sendung interpretiert. Diese funktionale Deutung habe sich zur personalen fortentwickelt, nach welcher sich das Jesuskerygma weiterereignet. Hierfür hätten die Jünger den in der jüdischen Apokalyptik vorliegenden Ausdruck von der »Auferweckung« bzw. »Auferstehung« verwandt. Es liege hier ein der Zeit entnommener Sprachgebrauch vor.

Dem evangelischen Theologen Marxsen ist zuzugeben, dass wir rein geschichtlich unmittelbar nur bis zur Überzeugung der Jünger vordringen können. Er steht jedoch noch wesentlich stärker als Bultmann im Widerspruch zum Text 1 Kor 15. Dabei hat Marxsen aller-

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dings recht mit der Behauptung, dass sich die Jünger für die Bezeugung ihrer Erfahrungen nach dem Tode Jesu eines Ausdrucks bedienen, der aus der jüdischen Apokalyptik stammt. Dieser wurde jedoch zur Zeit Jesu ganz naturalistisch-realistisch verstanden, nicht in der sublimierten, von Marxsen behaupteten Inhaltlichkeit. Ausserdem erwartete man die Auferstehung aller am Ende der Zeiten, keine individuelle in der Zeit. So wie M. hat das Wort damals niemand interpretiert, auch kein Apostel. Während im Sprachgebrauch jener Zeit das Wort die Rückkehr in das frühere Leben meinte, wollen die neutestamentlichen Auferstehungstexte sagen, dass Jesus, der tot war, wieder und zwar nicht nur in seiner Wirksamkeit, sondern ontologisch lebt, aber anders als vor seinem Tode. Marxsen und auch andere nehmen zu Unrecht ein in sich völlig unbestimmtes, konturloses Widerfahrnis der Jünger an, das diese erst durch Reflexion als Christus bestimmt hätten. In Wahrheit schildert das Neue Testament die Ostererlebnisse der Jünger von vorneherein als Begegnungen mit dem verwandelten, aber personhaften, ihnen aus seinem irdischen Dasein bekannten Jesus. Marxsens These bleibt hinter den Schriftaussagen entscheidend zurück. Nicht nur die Sache, sondern Jesus selbst lebt weiter. Mit der Meinung von dem Weiterleben nur der Sache würde die Person Jesu als Person reduziert. Jesus würde verstanden als Diener einer Sache, aber nicht als Vollstrecker göttlichen Willens. Die Kirche käme in den Ruf eines Vereins, der die Erinnerung an Jesus pflegt, gewissermassen clubartig (vgl. J. Kremer, Das älteste Zeugnis von der Auferstehung Christi, Stuttgart 1966).

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