Vorwort

 

Mit diesem Bande erreicht das vorliegende Werk seinen wichtigsten Teil, der die Orientierung aller übrigen Bände bestimmt. Die neuzeitlichen und gegenwärtigen geschichtlichen Bewegungen, die exegetischen Bemühungen und Resultate, die philosophischanthropologischen Erkenntnisse, die heutigen Vorstellungen vom Heil und vom Unheil, die Theorien über die Zukunft, die Gefährdungen und Bedrohungen, die Hoffnungen und Anstrengungen der Menschen im Verhältnis zur Erde und zur Gesellschaft stellen besondere Anforderungen an die Theologie überhaupt, im besonderen aber an die Christologie. Ich bin mir der Schwierigkeiten, die eine Darstellung der systematischen Theologie im Ganzen mit sich bringt, wohl bewusst. Sie scheint mir aber heute an einen Punkt gelangt zu sein, an welchem eine solche Darstellung wünschenswert ist. Es ist natürlich nicht möglich, alle andringenden Probleme in einem einzigen, wenn auch mehrbändigen Werk zu bewältigen. Es lässt sich nur ein Durchblick und eine zusammenfassende Schau der Probleme und der hauptsächlichsten Lösungen oder Lösungsversuche bieten. Dies scheint aber in der Gegenwart ein Bedürfnis sowohl der Theologiestudierenden als auch vieler nach einer Gesamtinformation verlangenden Gläubigen und vielleicht auch ungläubiger Nichttheologen zu sein.

Da Jesus »der« Christus in der Mitte aller Fragen und Antworten steht, konzentrieren sich sowohl die Schwierigkeiten als auch die Interessen auf seine Person. Dieser Situation will der jetzige Band Rechnung tragen.

 

Er ist natürlich vielen Monographien verpflichtet. Gegenüber der zunächst in New York, sodann auch in London herausgebrachten Ausgabe (zur Zeit in 4. Aufl. vorliegend), sowie der in deutscher Sprache erschienenen Auflage (1969/70), nach welcher die spanische, italienische und slowakische Übersetzung veranstaltet wurde, bringt die 2. deutsche Auflage des christologischen Teiles einige bedeutsame Änderungen. Während ich in der ersten Auflage die Trinitätslehre in die Christologie eingebaut habe, um so den Zusammenhang zwischen Christologie und Trinitätslehre möglichst stark zu unterstreichen, habe ich im Laufe der letzten zehn Jahre die Überzeugung gewonnen, dass es für die theologische Erkenntnis fruchtbarer ist, wenn die Trinität wieder an die traditionelle Stelle zurückkehrt, an der sie seit langem steht, freilich ohne dass Gottes- und Trinitätslehre voneinander wie zwei aufeinander folgende Themenkomplexe getrennt werden. Dabei soll die Trinitätslehre so dargestellt werden, dass der Leser sieht, sie impliziere die Christologie. Ebenso soll in diesem Bande die Christologie so behandelt werden, dass die Implikation der Trinitätslehre in der Christologie in Erscheinung tritt.

Die Zusammengehörigkeit von Trinitätslehre und Christologie tritt in der Heiligen Schrift sehr deutlich zutage und zwar dadurch, dass Jesus sich immer an Gott als an seinen Vater wendet. Die paulinische Christozentrik ist nicht in sich geschlossen, sondern offen auf den Vater hin. Sie ist streng theozentrisch. Der Vater offenbart sich in Kreuz und Auferstehung (siehe C. Folch Gomes OSB, A doutrina da Trinitate eterna, Rio de Janeiro 1979). Man kann dabei fragen, was mit dem Worte »Vater« gemeint ist. Dieses Problem wird im Laufe der Ausführungen in diesem Werke eingehend behandelt werden, aber schon jetzt muss man,

 

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um Klarheit zu schaffen, sagen, dass mit dem Worte »Gott« der Vater gemeint ist, der alttestamentliche Gott Jahwe. Dies ist zwar für die gegenwärtige Theologie selbstverständlich, nicht aber für die traditionelle neuscholastische. Man kann geradezu sagen: In der Heiligen Schrift handelt es sich vor allem um das Problem des Verhältnisses von Jesus von Nazaret zu Gott. Erst in der nachbiblischen Theologie tritt die binnenchristologische Frage auf das Feld, wie das Verhältnis des Menschen oder, wie man in jener Zeit sagte, der menschlichen Natur Jesu zu dem göttlichen Logos, zu dem ewigen Gottessohn zu verstehen sei. Diese letzte Frage wurde in den Auseinandersetzungen vom 3. bis zum 7. Jahrhundert mit der grössten Leidenschaft behandelt. Es ging ja um das Heil. In der Heiligen Schrift jedoch wird die Frage nicht explizit erörtert.

Nach ihrem Zeugnis wendet sich Jesus immerfort an den himmlischen Vater. Von ihm sagt er, dass, wer ihn sieht, den Vater selbst sieht, dass seine Werke die Werke des Vaters sind, um einige johanneische Formeln anzuführen (Joh 14,9f). Diese Sicht ist entschieden theozentrisch und zwar radikal. Hierauf wurde in der Gegenwart besonders aufmerksam gemacht von K. Rahner, W. Kasper (Jesus der Christus) und D. Wiederkehr. Von einem Gespräch des Menschen Jesus mit dem ihn durchdringenden Logos, dem ewigen Gottessohn, spricht die Schrift nicht. Ich führe noch einen Aufsatz von L. Hödl an, der sich in aller Form mit unserem Problem befasst und darstellt, in wie hohem Masse Trinität und Christologie ineinander verwoben sind. Er beruft sich dabei u.a. auf einen Text des Eire-naios von Lyon (gest. um 202). In diesem Text wird mit dem Sinn des Wortes »Christus« (der Gesalbte) argumentiert. Der Text sei im Wortlaut mitgeteilt (Gegen

 

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die Häresien III, 18,4): »Der Name Christus besagt den, der salbt, und den, der gesalbt worden ist, und die Salbung selbst, in der gesalbt wurde. Es salbt aber der Vater, gesalbt wurde der Sohn in dem Geiste, der die Salbung ist, gemäss dem Worte des Jesajas, der da spricht: ,Der Geist des Herrn ist über mir, deswegen hat er mich gesalbt. Damit weist er hin auf den Vater, der salbt, auf den Sohn, der gesalbt wurde, und auf den Geist, der die Salbung ist.« Hödl weist mit Recht darauf hin, dass es sich hier nicht nur um Wirkungen des Dreieinigen Gottes handelt, sondern um die heilswirksame Gegenwärtigkeit der drei göttlichen Personen, so dass man in den Worten des Eirenaios den Ausdruck der heilsökonomischen Trinität sehen kann. Von hier lässt sich die ontologische Trinität erschliessen oder vielmehr: diese lässt sich in der ökonomischen miterkennen und mitschauen, um einen Ausdruck zu gebrauchen, der dem heiligen Bonaventura geläufig ist. Hödl beruft sich mit Recht auf liturgische Texte (Kl. Hemmerle, Hrsg., Die Botschaft von Gott, mit dem Aufsatz von L. Hödl, Trinitätslehre als implizite Christologie?, 1964, 58-176).

Man darf auch hinweisen auf die zahlreichen einschlägigen Texte bei anderen Vätern, sowohl bei den griechischen als auch bei den lateinischen. Unter den letzteren kann besonders hervorgehoben werden Augustinus und zwar mit seinem grossen Trinitätswerke, in welchem er ständig in die trinitarischen Ausführungen christologische Erklärungen, sei es ontologischer, sei es heilsökonomischer Art, einfügt (siehe M. Schmaus, Die Denkform des heiligen Augustinus in seinem Werke ,de trinitate'. Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1962, sowie die 2. 1967 erschienene Auflage des 1927 zum ersten Male herausgekommenen Buches »Die psychologi-

 

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sehe Trinitätslehre des hl. Augustinus«, und zwar das Nachwort S. 1-XXV).

In diesem Zusammenhang begegnet uns wieder der in der Philosophie und in der Theologie so oft auftauchende »gute Kreis« im Gegensatz zum circulus vitiosus, der von Augustinus und von Bonaventura leidenschaftlich verurteilt wird. Dieser gute Kreis des sich immer tiefer entfaltenden Guten ist so in sich geschlossen, dass er keinen Punkt hat, den man den Anfang, und auch keinen, den man das Ende nennen kann.

Charakteristisch ist für den vorliegenden Band die reiche Verwendung der seit Erscheinen der ersten Auflage veröffentlichten exegetischen Diskussion. Ich habe in hohem Masse die wissenschaftlichen Ergebnisse der Exegese verwendet. Dies ist für den Systematiker nicht immer leicht, da sich die Ergebnisse, welche die Exegeten erzielen, aufgrund der Pluralität der Bilder und Gleichnisse einander nicht selten widersprechen und es schwierig ist, das Gewicht der Argumente für gegensätzliche Ansichten zu wägen. Es bleibt oft nichts anderes übrig, als einer bestimmten Argumentation im Zusammenhang eines grösseren Komplexes den Vorzug zu geben. Ich habe mich jedoch bemüht, auch von der von dem in diesem Buch vertretenen Schriftsinn abweichenden exegetischen Meinung die Leser in Kenntnis zu setzen. Damit das Werk nicht allzu umfangreich wird, verzichtete ich im allgemeinen auf die Wiedergabe von längeren Schriftzitaten. Nur ganz besonders markante aussagekräftige Stellen werden im Wortlaut angeführt. Die Schriftzitate sind im allgemeinen den gegenwärtigen Kommentaren oder, soweit es solche nicht gibt, der Übersetzung von U. Wilckens entnommen. Die »Einheitsübersetzung« kann erst in den noch folgenden Bänden verwendet werden.

 

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Naturgemäss wird in diesem Werke das Problem erörtert, das sich mit den Ausdrücken Christologie »von unten« und Christologie »von oben« bzw. der »vorösterliche« und der »österliche« Christus umschreiben lässt. Niemand wird leugnen, dass es in dieser Problematik keine allein berechtigte, wirklich zum Ziele führende Methode gibt. Es fragt sich also jeweils, ob man »unten« (von dem Menschen Jesus von Nazaret her), oder »oben« (von Gott her) beginnen soll. In diesem Bande wird mit der Christologie »von unten« begonnen, aber die Sicht »von oben« steht immer im Horizont der Überlegung und der Interpretation. Letztlich lässt sich zu einem alle Aussagen und jede Grundvorstellung der Schrift berücksichtigenden Resultat nur kommen, wenn man in der Christologie von unten aufsteigt, um die Christologie von oben entgegenzunehmen. Das Umgekehrte ist jedoch von der Sache her ebenfalls legitim (vgl. das Johannesevangelium und den Philipperbrief), wenn man dabei nicht in einer Art von Gnostizismus oder Doketismus hängenbleibt, also die Christologie von unten einfach unterschlägt. Es gibt weder eine einseitige Christologie »von oben«, ohne das Menschsein Jesu Christi zum Schein zu verflüchtigen, noch eine Christotogie »von unten«, ohne das Gottsein Jesu Christi aufzugeben und das Christentum in reine Humanität zu verdichten.

Das mit den Worten »der österliche« und der »vorösterliche« Christus umschriebene Problem wirft die Frage auf, ob die neutestamentlichen Schriften, die im Lichte der Ostererfahrung der Jünger entstanden sind, den historischen, d.h., den vorösterlichen Jesus wahrheitsgetreu beschreiben oder ob ihre Aussagen hierüber menschliche Erfindungen bzw. der Wirklichkeit überstülpte Ideologien sind. Auf jeden Fall muss dieser Frage sehr eingehend nachgegangen werden.

 

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Solches ist unerlässlich, weil die Verfasser der Evangelien ihre Schriften nur in jener Orientierung verfasst haben, in welcher sie seit der Ostererfahrung lehren und denken.

Noch zwei wichtige Momente müssen genannt werden. Jedem Leser dieses Werkes wird auffallen, dass die Auferstehung Jesu nicht entsprechend dem Lebensgang Jesu am Schlusse, vielleicht als Vollendung oder als Krönung dargestellt und interpretiert wird, sondern nach einer kurzen Einführung sogleich von der Auferstehung die Rede ist. Die Auferstehung, bzw. die Auferweckung Jesu bildet innerhalb der Christologie, die ihrerseits das Zentrum der ganzen Theologie ist, wiederum das zentrale Ereignis. Sie steht selbst im hellsten Lichte der Schrift und wirft ihre Strahlen auf alles, was sonst in der Schrift zur Sprache kommt. So ist es angebracht, dass sie als Zentralereignis behandelt wird, allerdings ohne dass sie dabei selbst ihren relativen Wert einbüsst. Sie wirkt sich aus in der auf sie folgenden irdischen und absoluten Zukunft. Es ist angebracht, dass dies auch durch den theologischen Ort, an dem sie steht, zum Ausdruck kommt.

Man wird dem Professor für Dogmatik an der Universität Löwen (Leuven) Adolf Gesche zustimmen müssen, wenn er in einem längeren Artikel behauptet, dass die Auferstehung Jesu von der dogmatischen Theologie lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt wurde. Er führt hierfür eine Reihe von Gründen an, die in unserem Zusammenhang nicht genannt zu werden brauchen. Er will auf jeden Fall dazu beitragen, dass diesem die gesamte dogmatische Theologie beeinträchtigenden Übelstande abgeholfen wird. Der Beitrag erschien zunächst in der Revue Theologique de Louvain 2 (1971) 257-306. Die französische Abfassung

 

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bringt den Vorteil mit sich, dass dem Leser die wichtigste, umfangreiche französische Literatur in dieser Problematik in ihrer jeweiligen Ausrichtung unmittelbar bekannt wird. In deutscher Sprache kam der Aufsatz in der Übersetzung von Edmund Labonte mit einigen Ergänzungen in den »Theologischen Berichten« II, hrsg. im Auftrag der Theologischen Hochschule Chur von Phamatter und der Theologischen Hochschule Luzern von Fr. Furger, 1973, heraus.

Der Beitrag scheint mir wichtig zu sein. Man darf zu den vor acht Jahren konzipierten Thesen Gesches hinzufügen, dass sich die theologische Situation seit jenen Jahren wesentlich geändert hat. Durch Anstösse von »aussen« (geschichtliche, gesellschaftliche, philosophisch-anthropologische Problematik) sind die in dem Christlichen selbst implizierten, aber bis vor kurzem zu wenig beachteten Elemente, die die Auferweckungs-theologie in eine fruchtbare Konfrontierung mit den weltwissenschaftlichen Denkbewegungen rücken, stärker hervorgehoben worden, wenn sie auch noch nicht in der wünschenswerten Explikation entwickelt wurden.

Die Traditionslinie aus dem AT, die die verschiedenen sprachlichen Mittel zur Verfügung stellt, die Frage nach dem österlichen und nachösterlichen Christus, nach seiner Wirkgeschichte und vor allem die eschatologische Sicht des Problems vom Zusammenhang der Auferstehung mit dem »Weltende« zu artikulieren, ist zu einer tragenden Kraft geworden. Es gibt keinen theologischen Bereich, der von der Auferstehungstheologie, in ihrem vollen Sinnfelde verstanden, nicht eine neue Orientierung erfahren würde, wenngleich sie selbst festumrissene Konturen hat und auch ihrerseits wieder aus der Gesamttheologie ein tieferes Verständnis empfängt. Erst im Lichte der Auferstehung wird

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  das irdische Leben Jesu verständlich, soweit Jesus überhaupt verstanden werden kann. Auf jeden Fall ist es angezeigt, von der Auferstehung bzw. der Auferweckung Jesu Christi auszugehen, um den christlichen Gesamtglauben mit allen seinen Implikationen einleuchtender und verständlicher zu machen.

Einen gegenseitigen Einfluss von Christologie und neuzeitlicher und heutiger Geschichtsforschung hat z. B. mit einem nicht zu überhörenden, leicht kritischen Ton gegenüber der Theologie D. Wiederkehr (Konfrontationen und Integrationen der Christologie. Theologische Berichte 2, 1973, 196) hervorgehoben: »Sicher handelt es sich um zentrale Aspekte, die in der biblischen Christologie bereitliegen. Dennoch sind uns die Augen dafür nur unter der Einwirkung eines neuzeitlichen und zeitgenössischen menschlichen Selbstverständnisses aufgegangen; insofern besteht schon hier eine Überschneidung zwischen den verschiedenen Motivgruppen einer erneuerten dogmatischen Christologie. Umgekehrt wird es aber auch bei den jetzt noch zu verhandelnden Motiven sein: ihrer unmittelbaren geschichtlichen Herkunft nach stammen sie nicht aus Exegese und Bibeltheologie, sondern aus dem offenen Gespräch der Theologie mit der gegenwärtigen neueren Geistesgeschichte, Geschichtsphilosophie oder Anthropologie. Es sind aber auch hier im umgekehrten Sinn ursprüngliche Motive der ntl. Christusverkündigung und -reflexion wiederzuerkennen. Wir können bei der Lesung der Schrift die Gegenwart nicht verleugnen, und viele neuzeitliche anthropologische Reflexionen bleiben geprägt von einer christlichen Wirkungsgeschichte.«

Eine weitere Änderung gegenüber meinem Werke »Katholische Dogmatik« besteht darin, dass ich die schon in der ersten Auflage vorgenommene Auslas-

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sung eines eigenen Abschnittes über die Soteriologie die Heilshandlungen Jesu oder vielmehr das von ihm gebrachte Heil, noch stärker in der Christologie im engeren Sinn behandelt habe. Der Grund liegt darin, dass Christus aufgrund seiner Konstitution selbst unser Heil ist. Er hat den Weg zu Gott und zu den Mitmenschen und die Möglichkeit, ihn zu gehen, geschaffen. Ja, er ist selbst der Weg zu Gott (Joh 14, 6). Das Heil wird gewonnen nicht nur durch das, was Jesus Christus gesagt und getan hat, sondern durch die Begegnung mit ihm selbst, mit dem menschgewordenen, dem verkündigenden, dem verkündigten, dem gekreuzigten und dem auferstandenen Jesus Christus.

Das Heil besteht nicht einfachhin in der Entgegennahme von geistlichen Dingen. Es wird vielmehr, wie Paulus immer wieder hervorhebt, durch die im Glauben erfolgende Übereignung des eigenen Selbst an Jesus Christus und durch ihn an Gott gewonnen. Jesus ist die Gegenwärtigkeit des alles Unheils überwindenden Gottes.

Nachdrücklich muss hervorgehoben werden, dass dieser Band wie das gesamte Werk ein Unterrichts-buch sein soll, wie übrigens schon gesagt wurde. Dies soll nicht heissen, dass Thesen geboten oder zusammengestellt werden. Die Führung sollen in der Darstellung Schrift und Tradition haben. Daran soll sich jeweils die kirchliche Lehre anschliessen, auf die Schrift und Tradition objektiv hintendieren. Es will eine Hilfe sein für die Studierenden und für die nach Aufklärung Suchenden. Diese Absicht hat für die Darstellungsweise keine geringe Tragweite. Heute wird immer mehr nach einer Zeit vager Experimente die Forderung erhoben, dass wieder theologische Lehrbücher als Basis für das eigene Studium und für tiefer grabende Erkenntnisbemühungen geschaffen werden. In der römi-

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sehen Zeitschrift »Seminarium« ist dieser Frage im Jahre 1976 ein ganzes Heft gewidmet worden. Der Grund für eine solche Forderung oder, wenn man lieber sagt, für ein solches Desiderat liegt darin, dass der Interessent nicht nur einzelne theologische Komplexe, sondern das Ganze der systematischen Theologie vor das Auge bekommen soll und sich so den Blick für das Ganze zu schärfen vermag. Dies verhilft dazu, eine Einzelaussage von dem ihr zukommenden theologischen Ort aus zu verstehen und ihr das ihr eigene Gewicht zuzuweisen. Ohne eine solche theologische Ortsbestimmung könnte es passieren, dass eine theologische »Randwahrheit« zur Hauptsache hochgespielt und eine Grundwahrheit zur Nebensache degradiert wird, je nach der Monographie, die ein Theologe gerade studiert hat, und die ihr Problem natürlich wesentlich umfassender und allseitiger behandeln kann als eine Gesamtdarstellung. Die Aussage des II. Vat. Konzils von der »Hierarchie« der Wahrheiten könnte so zu kurz kommen.

Da, wie die Geschichte der Theologie demonstriert, Glaube und Offenbarung vielfach mehrere Interpretationen innerhalb des Glaubensfeldes erfahren können und erfahren, habe ich mich bemüht, wichtige, von einander abweichende Hauptinterpretationen in diesem Werke zu registrieren. Dies soll einer von Einseitigkeiten freien Information dienen und dem Leser die Freiheit eröffnen, einem anderen Glaubensverständnis zu folgen als dem in diesem Buche vertretenen.

Solche auf Argumente und deren Beurteilung gründende Auswahlentscheidungen sind legitim. Sie sollten sich allerdings frei halten von Diskriminierungen und Beschimpfungen dessen, der glaubt, andere, ebenfalls auf Argumente gegründete Lösungen vorziehen oder suchen zu müssen, eine Forderung, die trotz der allgemeinen Betonung der Toleranz von Autoren

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aller Richtungen nicht selten missachtet wird. Als das Manuskript abgeschlossen war, kam der inhaltsvolle, informationsreiche Artikel von Traugott Holtz, Halle a. Saale »Kenntnis von Jesus und Kenntnis Jesu«. Eine Skizze zum Verhältnis historisch-philo­sophischer Erkenntnis und historisch-theologischen Ver­ständnisses, Theologische Literaturzeitung 104, 1979, 1-12, in meine Hand. Zu dem Problem der Sprache sei beispielshalber verwiesen auf B. Badura, Sprachbarriere, 1971, P. van Buren, Rede von Gott — in der Sprache der Welt, sowie der kritische und kreative Durchblick von C. Biser, Religiöse Sprachbarrieren, Stimmen d.Z, 1979, 651-664.

Schliesslich muss noch ein wichtiges Moment genannt werden. Schon in meiner früheren fünfbändigen, in acht Teilbänden, zuletzt in sechster Auflage 1965, in der italienischen Übersetzung noch 1970 erschienenen »Katholischen Dogmatik« habe ich den Versuch gemacht, durch eine geeignete, vielfach der Geschichte entnommene Interpretation und Darstellungsweise den Weg von der theologischen Begrifflichkeit zur Pastoral zu verkürzen. Diese Methode war damals nicht ungefährlich. Ich war dabei von der Überzeugung geleitet, dass die Theologie letztlich Dienst an der Kirche bzw. für die Seetsorge am Menschen sein muss. Dieses Werk ist begreiflicherweise seit langem vergriffen, wird aber überraschenderweise heute vielfach wieder gewünscht.

Das gleiche Ziel strebt auch das vorliegende Werk an. Es versucht einerseits, der heutigen theologischen Forschung gerecht zu werden und sie zu fördern, andererseits den Studierenden und Suchenden der Theologie, dem Seelsorger sowie jedem theologisch Interessierten Hilfen zu bieten, ohne dass Begriffe oder Sprache eine Barriere zum Verständnis aufrichten.

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Literaturauswahl und ein Sachregister werden dem letzten Bande des Gesamtwerkes angefügt werden, nicht jedem einzelnen Band, damit die Stichwörter nicht mehrfach gesucht werden müssen. Vorerst mag auf das hilfreiche Werk von Leo Scheffczyk, Katholische Glaubenswelt, Wahrheit und Gestalt, 1977 und auf A. Keller S.J. (Hrsg), Fragen an den Glauben. Ein Sonntags-Forum, 1979, mit Beiträgen von H. Zwiefelhofer, R. Stadier, K. Rahner, B. Weissmahr. A. Keller, H. Kahlefeld, K. H. Weger, Chr. Kummer hingewiesen sein.

Es bleibt mir noch übrig, auch in diesem Vorworte Helfern und Helferinnen zu danken. An erster Stelle gilt mein Dank wiederum dem EOS-Verlag in St.Otti-lien, in erster Linie dem Leiter des Verlages, Herrn P. Dr. Bernhard Sirch OSB, der durch sein Interesse an dem Werke, durch Hinweise und Anregungen, durch seine Bemühung um die Herstellung und auch durch seine sorgfältige Korrekturarbeit an dem Buche exi-stentiell beteiligt ist. Ausserdem schulde ich Dank den Damen, die mir für die Herstellung des Manuskripts, in dem oft zahlreiche Änderungen und tiefe Eingriffe gegenüber der vorhergehenden Auflage vorgenommen wurden, unentbehrliche Dienste leisteten und dem Texte ein hohes Mass von Mühe und Zeit gewidmet haben: Fräulein Litly Kuhnert (inzwischen verstorben), Frau Dorle Buchbauer, Frau Eise Minga, meiner Nichte Fräulein Elisabeth Hölzl. Einen besonderen Dank schulde ich Frau Reg.-Direktorin Syndika Monika Stoermer, Herrn Franz Echterhoff, Recklinghausen, und Herrn Ministerialrat K. Paintner - München für die sorgfältige und sachkundige Lesung der Korrekturfahnen.

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