24. Kapitel

 Verständnis Jesu im Glauben — kein Fideismus

 

a) Glaubenszeugnis der Apostel

 

Als die Anhänger Jesu seine Messianität im Licht der Ostererfahrung und infolge der Geistsendung verstanden, mussten sie Jesus ihren Landsleuten als jenen auslegen, der trotz des Gegensatzes zwischen den zeitgenössischen Vorstellungen und seinem messianischen Verhatten der reale, von Gott gesandte Messias ist. Diese Erkenntnis konnte, wie Jesus zu Petrus sagte, nicht von »Fleisch und Blut« kommen. Sie war nur in vertrauender Hingabe an Jesus und sein Wort ihrem

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Verständnis zugänglich. Sie bleibt ein Glaubensverständnis, — bei dem der Intellekt natürlich nicht ausgeschaltet ist —, er war vielmehr zu einer erhöhten Erkenntniskraft befähigt und angetrieben, sah aber dennoch die lichte Wirklichkeit nur in der Dunkelheit. Deshalb ist die nachösterliche Jesusdeutung Christus-kerygma. Glaubenszeugnis für Jesus.

Dies heisst: Die von den Jüngern des Herrn vorgenommene Auslegung seiner Person, seines Lebens und Handelns drängte sich nicht mit unentrinnbarer Notwendigkeit auf. Solches zeigte sich nicht nur an der Glaubensverweigerung seiner Gegner, sondern auch an dem Zweifel mancher Jünger (Mt 28, 17) und noch mehr an den aus einem gläubigen Missverständnis geborenen apokryphen Evangelien. Diese entstanden wohl auch als Kritik an den kanonischen, von der Kirche anerkannten Evangelien, die manchen Gläubigen zu nüchtern waren und der Phantasie wenig Nahrung boten. Auch in den Apo­kryphen wird der historische Jesus als der Christus, der Messias, verkündet, aber sein Leben wird in einen Rahmen von Mythos und Legende gestellt und dient in hohem Masse der Befriedigung der Neugierde und der religiösen Romantik (vgl. die allzu grosse Zahl von angeblichen Muttergotteserscheinungen). Wenn die Kirche nur die in den kanonischen Evan­ge­lien zutagetretenden Mitteilungen und Auslegungen als die gültigen anerkannte, die apokryphen hingegen nicht, so lag der Grund darin, dass sie nur die ersteren als apostolische Überlieferung und als den echten Ausdruck des Christusglaubens begriffen hat. Der Vorgang schliesst in sich, dass das Glaubensverständnis zugleich eine Entscheidung für das zutreffende Christusverständnis sein konnte. Göttliche Erleuchtung und menschliche Freiheit fügen sich zum Ganzen, wenn das Ergebnis der Wirklichkeit entspre-

 

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chen soll (F. Mussner, a.a.O., 57f; derselbe. Der historische Jesus, 70-78; R. Haardt, Das koptische Thomasevangelium und die ausserbiblischen Herrenworte, in: K. Schubert, Der historische Jesus und der Christus unseres Glaubens, Wien 1962, 257-287).

            

          

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