4. Kapitel
Transzendenzcharakter des Gottesreiches
a)
Reich Gottes als Aufforderung
Es
kommt nach der Botschaft Jesu nicht darauf an, dass das Joch der Römer abgeschüttelt
wird, sondern darauf, dass das Joch der Sünde abgeworfen wird. Demgemäss ist
das Reich Gottes auch nicht beschränkt auf das Volk Israel. Es soll vielmehr
die ganze Menschheit, ja die ganze Welt umfassen (Mt 8, 11f; 11, 21-24; 12, 41;
Lk 10, 13; 11, 31; 13, 28f). Das Reich Gottes wird nicht Gericht, sondern Heil
bringen (Lk 5, 32; 15, 1ff; Mt 15, 24; 20, 1ff), Gericht nur für jene, welche
ein blosses Menschenreich in Selbstsucht, Machtgier, Besitzverlangen und
Lustbegierde oder
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auch in reiner Bequemlichkeit dem Reiche Gottes vorziehen. Ausdrücklich erklärt Jesus, dass zu den Versagern gegenüber dem Gottesreich auch jene gehören, die nicht müde werden »Herr, Herr« zu rufen, aber ihre Mitmenschen nicht als Brüder behandeln, obwohl sie Brüder Christi sind (Mt 7, 21; Lk 6, 46), sondern ausbeuten und für ihre eigenen Interessen verzwecken. Ein solcher Glaube an Gott ist ohne wirksames und tragendes Fundament. Solchen »Gläubigen« wird der Herr im Gerichte sagen: »Ich habe noch nie eure Bekanntschaft gemacht. Geht mir aus den Augen, die ihr Gottes Gebot zuwidergehandelt habt« (Mt 7, 23). Ihnen fehlt die tatkräftige Liebe, sie passen daher nicht in das Reich, in dem die Liebe herrscht. Sie gehören, wie Augustinus sagt, nicht in die civitas divina, sondern in die civitas terrena hinein.