2.
Kapitel
Spannung zwischen Gegenwart und Zukunft
Im Johannes-Evangelium tritt der Ausdruck »Reich Gottes« selbst zurück. Er kommt nur zweimal vor (3, 3-5). In der Sache stimmt jedoch das Johannes-Evangelium mit den Synoptikern überein, insofern es jene Heilsexistenz, welche bei den Synoptikern mit dem Worte »Reich Gottes« nahegelegt wird, mit dem Ausdruck vom »neuen Leben« darstellt.
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Das Wort »Reich Gottes« meint nicht eine politische oder eine geographische Realität, sondern das heitsgeschichtliche Tun Gottes; »Reich Gottes« ist also dynamisch zu verstehen, im AT allerdings vorzüglich als religiös-nationale Wirklichkeit. Wenn im Mattäus-Evangelium an Stelle des Ausdrucks »Gottesreich« das Wort vom Himmelreich verwendet wird, so ist dies darauf zurückzuführen, dass man im Alten Testament nicht wagte, den Namen Gottes auszusprechen. Offensichtlich hat der Verfasser an Judenchristen gedacht, die aus dieser alttestamentlichen Haltung kamen. Es ist anzunehmen, dass auch Christus selbst sich des Ausdrucks »Himmelreich« bedient hat. Die Menschen haben am Anfang ihrer Geschichte die Unheilsexistenz gerade dadurch heraufbeschworen, dass sie sich der Herrschaft Gottes zu entziehen versuchten. Im Zustand der durch Christus verkündeten und von ihm wiedererrichteten Gottesherrschaft sollten sie das Heil gewinnen. In Jesus selbst ist das herrscherliche Heilshandeln Gottes zum Durchbruch gekommen, insofern ihm die Auferstehungsexistenz vom Vater im Himmel als die Vonentfaltung seiner gottmenschlichen Struktur geschenkt worden ist. Der auferstandene Herr wirkt als Stellvertreter alles Geschaffenen nach dem Heilsplan Gottes des Vaters so in die Geschichte der Menschen, ja in die ganze Schöpfung hinein, dass sich seine eigene verklärte Existenz in den Menschen und seiner ganzen Schöpfung heilshaft durchsetzen wird. Der Vollendungszustand wird infolgedessen die Verwandlung der Schöpfung nach dem Urbild des auferstandenen Christus darstellen. In diesem Sinne wird die Schöpfung als der Ort des herrscherlichen Handelns Gottes sichtbar. So gewinnt der Begriff vom Reiche Gottes über die dynamisch-existentielle Tragweite hinaus auch räumliche Bedeutung.
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