c) Sein Realitätscharakter
Ferner lag den ursprünglichen Christuszeugen daran, zu zeigen, dass sie den von ihnen als lebend erfahrenen Jesus nicht in willkürlicher Mythisierung als den Messias verkündigten, dass vielmehr diese Verkündigung dem Selbstbewusstsein des geschichtlichen Jesus und dem dieses offenbarenden und legitimierenden Reden und Tun entsprach. Jesus redete und handelte so, dass er der Welt als der Menschensohn-Messias verkündet werden konnte und musste. Insbesondere lässt Markus Jesus in einem programmatischen Heroldsruf verkünden, dass die Zeit erfüllt ist und die Herrschaft Gottes unmittelbar vor der Türe steht (Mk 1,15). Dass dieser Heroldsruf nicht ein leeres Wort ist, zeigt Markus dadurch, dass er Jesus sogleich den siegreichen Kampf gegen die Unheilsmächte aufnehmen lässt (gegen die Satansherrschaft, gegen Krankheit, Tod und Sünde). »Eine neue Lehre voll Macht! Und den unreinen Geistern befiehlt er, und sie gehorchen ihm. Und aus ging die Kunde von ihm alsogleich in die ganze Umgegend von Galiläa« (Mk 1, 27f).
d)
Jesus als Gestalt der Gottesherrschaft
Die Gottesherrschaft ist herbeigekommen, weil Jesus der Messias ist. Geradezu drastisch drückt sich Jesu Anspruch in dem ohne Zweifel echten Wort aus: »Wer zu mir kommt und hasst nicht Vater und Mutter, Weib und Kinder, Brüder und Schwestern, ja auch sich selbst, der kann mein Jünger nicht sein« (Lk 14,26 und Paralleltexte). Jesu Person bedeutet demgemäss die radikale Forderung der Entscheidung. Wenn die Vorstellung von Jesu messianischem Anspruch als Gemeindebildung bezeichnet wird (R. Bultmann),
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fragt es sich, wie sich eine solche Überzeugung in der Gemeinde bilden, ferner wie es zu dem unheilbaren Zusammenstoss zwischen Jesus und seinen Gegnern kommen konnte. Die Proklamation Jesu als des Messias bleibt unerklärlich, wenn sie nicht ihren Grund in Jesus selbst, in seinen Worten und in seinen Taten hat. Es kommt dazu, dass die »Gemeinde« eine andere Konzeption von der Herrschaft Gottes und des Messias hatte, als sie von den synoptischen Evangelien Jesus zugeschrieben wird. Die Reich-Gottes- und die Messias-Idee, die Jesus nach den Synoptikern vertritt, sind eine tiefgreifende Uminterpretation der in jener Zeit geläufigen Vorstellungen. Gerade an dieser Umdeutung hat sich die Feindschaft gegen ihn entzündet.