b) Grund für die schriftliche Aufzeichnung

 

Eine wichtige Rolle spielt in der schriftlichen Überlieferung die sogenannte Redequelle (»Q«), eine vorkanonische Sammlung von Logien Jesu. Sie kann allerdings nicht für die Ausarbeitung einer Christologie verwendet werden. Sie sagt z. B. nichts über die Passion.

Je mehr Christen in den Dienst der Verkündigung traten, welche nicht Augen- und Ohrenzeugen Jesu waren, umso mehr stellte sich das Bedürfnis ein, ihnen durch mündliche und schriftliche Überlieferungen

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Handreichungen zu bieten. Durch die schriftlichen Aufzeichnungen sollte zwar das von Jesus Gesagte und Getane festgehalten werden, aber nicht, damit es wie ein anderes geschichtliches Ereignis der Nachwelt bekannt wird, sondern als Grundlage für den Glauben und für das Kerygma.

Einen dritten Schritt bedeutete die Sammlung solcher Texteinheiten zu grösseren Werken. Die Überlie­ferungen führten so zu den drei synoptischen Evan­gelien. In ihnen, z.B. im Markusevangelium ist eine vorangehende für das Evangelium charakteristische Überlieferung, die vormarkinische Texteinheit, im Lukas-evangelium eine vorlukanische Texteinheit verwendet. Das Markusevangelium ist das älteste Sammelwerk dieser Art. Markus stammte aus Jerusalem, er war kein Jünger Jesu, wohl aber längere Zeit hindurch ein Begleiter des Apostels Petrus. Nach der ältesten Überlieferung hat Markus, was der Herr gesagt und getan hat, nach dem Tode des Apo­stels Petrus niedergeschrieben, so gut er es aus den Lehrvorträgen des Petrus im Gedächtnis hatte. Diese Tradition muss dahin ergänzt und teilweise korrigiert werden, dass Markus eine schriftliche vormarkinische Überlieferung einbaute. Diese letztere muss für die Interpretation des Evangeliums genau untersucht werden. Denn nicht weniges, was Markus sagte, geht auf Konto der vormarkinischen oder urmarkinischen Texteinheit. Markus wurde der Schöpfer einer neuen Gattung von Schriften, eben der Evangelien (R. Pesch, Das Markusevangelium, 2 Bände, 1976/77, sowie zur Ergänzung J. Gnilka, Das Evangelium nach Markus, 1. Teilband [Evang.-Kathol. Kommentar zum NT II, 1, 1978]).

Unter Zugrundelegung dieses Sammelwerkes entstanden bald danach unabhängig voneinander zwei weitere grössere Sammlungen der Jesusüberlieferung:

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das schon genannte Lukasevangelium und das Matthäusevangelium. Diese verdanken das »Mehr«, welches sie an Überlieferungsstoff besitzen, sowohl schriftlichen Quellen, insbesondere der erwähnten Spruchquelle als auch anderen schriftlichen Überlieferungen und dem breiter fliessenden Strom der mündlichen Weitergabe. Sie haben die gleiche Eigenart wie das Markusevangelium: Sie bieten nicht eine reportage-ähnliche Geschichte, sondern einen Bericht mit einer theologischen Durchdringung der Worte und Taten Jesu sowie seiner ganzen Persönlichkeit.

       

       

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