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Eigenart der einzelnen Evangelien
In der Art der theologischen Interpretation zeigt sich die Eigenart des einzelnen Evangelisten, so dass man von der Theologie eines jeden Synoptikers sprechen kann. Es seien nur einige kurze Hinweise gegeben. In der Spruchquelle (Logiensammlung), die eine bei Matthäus und Lukas greifbare Schicht der synoptischen Überlieferung der Jesuslogien darstellt, tritt die Ankündigung der Gottesherrschaft beherrschend in den Vordergrund. Bei Markus bilden Kreuzigung und Auferstehung die Mitte, um die alle übrigen Aussagen gruppiert werden. Es ist sein Anliegen zu zeigen, einerseits wie es zur Kreuzigung Jesu gekommen ist, so dass man sein Evangelium als »Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung« genannt hat (M. Kahler), andererseits, dass Jesus der verheissene Messias und der Sohn Gottes ist (siehe F. Mussner, Gottesherrschaft und Sendung Jesu nach Mk 1, 14f. Zugleich ein Beitrag über die innere Struktur des Markusevangeliums, in: F. Mussner, Praesentia salutis, Düsseldorf 1967, 84-98. W. Marxsen, Der Evangelist Markus, Göttingen 1959).
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Matthäus sucht aufzuweisen, dass Jesus, der im Alten Testament vorausverkündete, aber von Anfang an skeptisch aufgenommene und immer stärker abgelehnte Messias ist. Der Lebensweg Jesu ist der von Anfang an bis in die Einzelheiten hinein durch Gottes Willen festgelegte Passionsweg.
Lukas, dessen Theologie nur im Zusammenhang mit der Apostelgeschichte verständlich wird, ist charakterisiert durch die sorgfältige Unterscheidung der zeitlichen Etappen der Heilsgeschichte. Auf die Zeit Israels (Altes Testament) folgt die Zeit Jesu (Evangelium), die wiederum zu der Zeit der Kirche hinführt. Die Wirksamkeit Jesu wird zur Mitte der Zeit (H. Conzelmann). Jesu Wirken wird als entscheidendes Heilsangebot an Israel dargestellt. Es wird immer klarer abgelehnt. Jesus nimmt das auf ihn zukommende Leiden freiwillig auf sich. Lukas zeichnet den Weg Jesu als einen Gang nach Jerusalem, in die Stadt, von der er weiss, was dort auf ihn wartet (J. Gnilka, Synoptiker, in: LThK IX, 19642, 1240-1249 mit Literaturangaben. W. Trilling, Das wahre Israel, München 19643).
Am weitesten vorangeschritten ist die theologische Interpretation des geschichtlichen Jesus im Johannes-Evangelium (R. Schnackenburg, Das Johannesevangelium, 1965 und 1971).
Aufgrund ihrer bei aller Konvergenz bestehenden Verschiedenheit wurden diese vier Berichte in der Mitte des zweiten Jahrhunderts nicht einfach »Leben Jesu« genannt, sondern »Evangelium« (das Wort stammt von Markus), d.h. sie wurden mit einem Worte charakterisiert, das bis dahin und auch das ganze zweite Jahrhundert hindurch die mündliche Heilsbotschaft von Jesus als dem gottgesandten Messias bezeichnete.
Dem Werdegang der Evangelien entspricht eine dreifache Methode der Auslegung, nämlich die tradi-
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tionsgeschichtliche, die formgeschichtliche und die redaktionsgeschichtliche. Die letztere bemüht sich darum, den redaktionellen Anteil des Evangelisten herauszuarbeiten. Die zweite bemüht sich darum, die der Sammlertätigkeit des Evangelisten zugrunde liegenden Texteinheiten, das Evangelium vor dem Evangelium, zu erschliessen. Die erste bemüht sich darum, die Worte und Taten Jesu selbst, die verba et facta ipsissima herauszukristallisieren. Es zeigt sich von neuem, dass die Evangelien einer Deutung von seilen der Urzeugen bedurften.