16.
Kapitel
Die Notwendigkeit der Interpretation
Dies alles bedingte eine Interpretation Jesu Christi schon von seilen der ersten Verkündiger und von seiten der neutestamentlichen Autoren, sowohl des historischen, aber auch des auferweckten. Dabei darf man nicht übersehen, dass sowohl die Darbietung eines unmittelbar von Christus stammenden Wortes als
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auch die auslegende Verkündigung eines Christuswortes immer wesentlich und notwendig hinter deren innerstem Sinn zurückblieb, weil es sich ja immer um das Geheimnis Gottes handelte.
In negativer Hinsicht hatte dieses Vorgehen der Christusboten die Folge, dass sie in ihrer Christusverkündigung nicht den geschichtlichen Ablauf des Lebens Jesu chronologisch darstellten, dass sie nicht immer den ursprünglichen Zusammenhang der Worte und der Taten Jesu boten, dass sie vielmehr, was sie als Augen- und Ohrenzeugen erlebt und erfahren haben, in einer ihnen geeignet erscheinenden Weise aneinanderfügten. Dadurch haben natürlich die Worte Jesu, die immer in eine bestimmte Situation hineingesprochen wurden, ohne durch den situationsbedingten Anlass ihre überzeitliche Geltung zu verlieren, nicht selten einen anderen als ihren ursprünglichen Akzent erhalten.
Man kann daher aufgrund der neutestamentlichen Christuszeugnisse weder eine Biographie noch eine genaue Chronologie von Jesus bieten. Die in den Evangelien immer wiederkehrenden Formeln »dann«, »in jener Zeit« sind redaktionelle Bemerkungen, nicht sachliche Auskünfte (W. Beilner, Jesus als der Christus im Gemeinde-Kerygma und die Bedeutung dieses Kerygmas für unseren eigenen Glauben, in: K. Schubert [Hrsg.] Der historische Jesus und der Christus unseres Glaubens, Wien 1962, 197-230. Siehe Band 1, 196ff dieses Werkes). Die Abfolge der Evangelien dokumentiert die sich ändernden theologischen Interessen der Autoren an dem gleichen Christusgeschehen, konvergieren aber auf die eine Wirklichkeit, die Jesus Christus heisst.
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