4.
Kapitel
Die Heilsinitiative Gottes des Vaters
Schon an dieser Stelle soll betont werden, dass nach zahlreichen Texten der Schrift und der kirchlichen Lehre Gott es ist, näherhin Gott der Vater (die erste göttliche Person), welcher durch Jesus Christus, den menschgewordenen ewigen Gottessohn, die Rettung und Befreiung des Menschen vollbringt. Insofern Jesus Christus der Mittler des Heiles ist, wird er selbst der Erlöser genannt.
Im 1. Korintherbrief wird die Relation (Korrelation) zwischen Gott Vater und Jesus unmissverständlich im
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folgenden Text dargestellt (1 Kor 15,24-28): »Wenn er (Christus) die Herrschaft Gott dem Vater übergibt, wenn er also zunichte gemacht hat, was (sonst noch) Herrschaft besitzt, Gewalt beansprucht und Macht ausübt — denn er soll herrschen bis Gott ihm alle seine Feinde unter die Füsse gelegt. Und wenn es heisst: Alles ist ihm unterworfen, dann ist der davon ausgenommen, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles untenan geworden ist, dann wird sich auch der Sohn dem Vater unterstellen, der ihm alles unterworfen hat, damit dann Gott alles in allem ist.«
Die These, dass Gott der Vater die Initiative zur Rettung der Menschen ergriffen hat und der Sohn der Mittler ist, ist von besonderem Gewicht für das Verständnis des Todes Jesu. Nach der Schrift ist nicht etwa Gott durch das Blut von Golgota umgestimmt und versöhnt worden. Der Mensch ist mit Gott versöhnt worden und dadurch zur Freiheit gelangt. Jesus Christus war der Mittler. Hierfür gibt es viele Textbeispiele in der Apostelgeschichte und in den Paulusbriefen. In der Erklärung des Todes Christi wird die durchgehende Initiative Gottes näher dargelegt. In diesem Vorgang tritt die Struktur der biblischen Erlösung zutage. Eine subordinatianische Vorstellung für Jesus Christus ist dabei nicht zu befürchten. Der Tod Jesu war auch so wirksames Zeichen für den Tiefgang der Versöhnung. Christus starb in brüderlicher Solidarität mit allen Menschen. Diese sind daher alle aufgerufen, mit ihm, der in seinem Kreuzestode als Repräsentant der Menschen, ja der Schöpfung, vor Gott sein Leben darbrachte, ihrerseits durch den Glauben in solidarische Gemeinschaft zu treten. Paulus fordert seine Leser auf, sich mit Gott versöhnen zu lassen (2 Kor 5,19.20).
Die Initiative zu diesem Geschehen kam von Gott dem Vater. Er hat seinen Sohn in die menschliche Ge-
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schichte zur Durchführung des Versöhnungswerkes gesandt. Man kann diese Sendung mit Thomas von Aquin interpretieren als die Fortsetzung der innergöttlichen ewigen Hervorbringung, gewissermassen als Verlängerung in die Schöpfung hinein. Jesus hat in einer vorbehaltlosen Hingabe an den Vater den Ungehorsam der Menschen als deren Repräsentant zurückgenommen und in einer ebenso vollkommenen Treue zu seinen Brüdern und Schwestern an ihrer Stelle und zu ihrem Heile vollbracht, was vollbracht werden musste, wenn den Menschen Rettung und Freiheit von den sie fesselnden Gewalten zuteil werden sollte. Der Tod Jesu war die höchste Form der Hingabe an den Vater (in vertikaler Richtung) und der Liebe zu den Menschen (in horizontaler Richtung). Was Jesus vollbrachte, leistete er in voller Freiheit.
Sein Tod hatte die Wirkung der Wiederherstellung des rechten Verhältnisses zwischen Gott und den Menschen, indem die Gehorsamsbereitschaft Jesu zugleich den Charakter der Sühne in sich schloss. In ihm und durch ihn machte die Menschheit wieder gut, was sie am Anfang ihrer Geschichte und dann durch ihre ganze Geschichte hindurch verdorben hatte.