13. Kapitel

 

Die Christologie als implizite Trinitätslehre

 in der Apostelgeschichte

 

In diesem Text wird die Identität des historischen Jesus mit dem erhöhten Christus mit einer kaum überbietbaren Entschiedenheit verkündet. Jesus selbst erscheint als die Erfüllung einer der seit Abraham und David ergangenen Verheissungen Gottes. Er steht also in einer langen Geschichte des Volkes mit Gott und ist das Ziel dieser Geschichte. Von besonderem Gewicht ist in dieser Predigt ebenso wie in der vorher zitierten Predigt des Petrus die Struktur des Gedankens. Gott wird als derjenige verkündet, der seinen gekreuzigten Sohn vom Tode befreit hat. Gott kann nur als der Vater Jesu Christi, als Jahwe, verstanden werden. Dieser Gott ist bei ihm in lebendiger Wirksamkeit gegenwärtig. Aber auch der Heilige Geist ist anwesend. Er lebt in Christus und verbindet ihn mit dem Vater und auch die an Christus Glaubenden mit diesem. So zeigt sich die Trinität in solchen Texten nicht nur als ein einheitliches, »letztes« Wirkprinzip (siehe Bd. 3), sondern als eine in je verschiedener Heils-Funktionalität gegenwärtige Wirklichkeit. Man braucht bei der Lektüre solcher Texte keine Angst zu haben, dass sich eine subordinatianische Vorstellung oder namentlich hinsichtlich des Heiligen Geistes etwa eine modalistische Interpretation einschleicht. Infolge der Zusammengehörigkeit aller neutestamentlichen Schriften im Kanon lässt sich nicht eine Einzelschrift nach ihrer eigenen unmittelbaren Aussage allein endgültig beurteilen. Vielmehr muss die ganze Heilige Schrift als eine Einheit betrachtet werden. Trotz dieser einschränkenden Bemerkung ist

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es jedoch von grossem Gewicht, dass die Struktur der Aussage darin ihre Eigenart erhält, dass nicht einfach die Trinität — um einen Ausdruck Pius' XII. zu gebrauchen (siehe Band 3) — als »letztes«, einziges Wirkprinzip in Betracht kommt, sondern in ihrer Gegenwärtigkeit als eine dreipersonale Funktionseinheit. So ist in der Christologie die Trinität eingeschlossen. Wie schon im Vorwort betont wurde, zeigt sich in Jesus Christus »heilsökonomisch« der dreipersonale Gott. Dies bedeutet, dass er seinshaft in allen seinen Worten und Taten implizit gegenwärtig ist (vgl. z.B. Joh 16, 11; 12, 31; 8. 44; 7, 24; 1 Joh 3, 8).

Natürlich ist keine der drei Personen für sich allein anwesend. Denn jede steht in Rotation zur anderen, ja jede ist subsistente Relation zur anderen. Ohne den Begriff der Relationalität ist Gott unverständlich. Dabei ist die erste »Person« der ursprungslose Ursprung des Sohnes und mit diesem des Heiligen Geistes, und verdankt dieser Ursprungshaftigkeit nicht nur sein Sein als Vater, sondern sein »Person-Sein«, insofern er subsistente Relation zu den beiden anderen Personen ist. Dies ist einer der vielen guten Zirkel, von denen die Wirklichkeit voll ist (im Gegensatz zum circutus vitiosus).

   

  

  

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