2.
Kapitel
Die Ausführungen des Theologen Gesche
a)
Frühere Theorien
Gesche geht davon aus, dass sich zwischen dem Kreuzestod und Pfingsten im Heilsbereich etwas ereignete. Es fragt sich, ob dies an dem auf Golgota getöte-
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ten Jesus und an den Aposteln geschah, oder nur an diesen. Die Auferstehungsberichte und die Glaubensformeln zeigen nach ihm, dass auch an Jesus etwas geschah. Man kann die Aussagen der Apostel hierüber nicht als Ergebnisse eines aus Phantasie geborenen Enthusiasmus verstehen. Es liegt eine Erfahrung mit Jesus zugrunde. Welche?
An dieser Stelle schaltet Gesche die Theorien führender evangelischer Theologen aus. Er erwähnt zunächst die Erklärung jener evangelischen Theologen, die in der Nachfolge R. Bultmanns meinen: Die Apostel und nur sie hätten eine Erfahrung gemacht. Es gab kein spezifisches Geschehen an Christus. Für die Apostel sei es eine Erfahrung gewesen, die ihnen den Sinn des Kreuzestodes erschlossen habe. Mehr lasse sich nicht sagen. Sie hätten diese Sinn-Erfahrung in der mythischen Sprache der Auferstehung ausgedrückt. G. bietet einen kurzen Überblick über die in der evangelischen Theologie heute vertretenen Hauptthesen.
Im Anschluss an den evangelischen Theologen G. Ebeling wird, wie G. sagt, die Ansicht vertreten, das österliche Ereignis sei eine Erfahrung der Apostel, durch die sie das Werk und die Worte Jesu im Glauben zu begreifen vermochten.
Diese Stellungnahmen wollen Sinn und Inhalt der Schriftaussagen bestimmen und den Menschen den Glauben erleichtern. G. weist darauf hin, dass in einer ähnlichen Absicht Athanasius in seinem Brief an Serapion in Hinsicht auf den Heiligen Geist aus Gründen der »Ökonomie« nie das Wort »Gott« gebraucht habe, obwohl es seine Absicht war, seinen Gegner von der Gottheit des Heiligen Geistes zu überzeugen. (Ähnlich halte es das Konzil von Konstantinopel.) Der Autor meint, man könne im katholischen Glauben die bisher genannten Erklärungen akzeptieren, wenn sie gewis-
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sermassen als ökonomische, nicht als absolute Positionen verstanden werden, die in einer gemeinsamen Untersuchung von Bedeutung sein könnten, aber in das Ganzverständnis des vollen Glaubens integriert werden müssten. Sie unterscheiden sich nach ihm auf jeden Fall von früheren Ansichten, wonach es sich um Halluzinationen handle, insofern diese auf irrealen Vorgängen aufbauten.
Mit W. Künneth sehen nach Gesche andere Theologen in der Auferstehung ein rein transzendentes, meta-empirisches Geschehen, das nur in einem Glaubensakt ausgesagt werden könne. Es gebe hierfür keinerlei empirische Bestätigungen. Diese Theorie ist reiner Fideismus. Im übrigen habe aber diese These eine wichtige und unentbehrliche, wenn auch einseitig betonte Wahrheit. Die natürliche, geschichtliche Bestätigung allein könne für das Verständnis der Auferstehung nicht ausreichen. Dies werde von K. mit Recht betont. Keiner sagt »Jesus ist der Herr« ausser im Heiligen Geist (1 Kor 12, 5; 2, 13).
Andere erklären mit Recht, dass das österliche Geschehen an Jesus empirisch feststellbare Umrisse hat. So erklärten W. Marxsen und seine Anhänger, es unterliege keinem Zweifel, dass die Apostel Jesus nach seinem Tode wirklich als einen Lebenden gesehen haben. Sie hätten sich aber in der Interpretation dieses Vorgangs geirrt. Das Interpretament von einer Auferstehung sei unhaltbar. Sie hätten jedoch noch eine richtige Deutung gegeben, indem sie das »Wiedersehen« des Herrn als Missionsauftrag und als Bestätigung dafür verstanden hätten, dass die Sache Jesu auch nach seinem Tode weitergehe. An dieser, alterdings einseitigen Interpretation ist richtig, dass die Erscheinungen nur jenen zuteil wurden, die für besondere Aufgaben auserwählt waren, nicht jedem Beliebi-
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gen. Man darf auch zugeben, dass die Auslegung der realen Erscheinungen Jesu als
Auferstehung sich nicht aufnötigt, sondern eine Offenbarung ist, die nur im
Glauben vollständig erkannt werden kann. Sie ist ein der Auslegung im Glauben
bedürftiges Zeichen. Thomas von
Aquin erklärt (nach Leon-Dufour, Bulletin d' exegese du Nouveau Testament II.
Sur la resurrection de Jesus, Recherche de Science Religice 57, 1969, 583-622):
Die Erscheinungen sind non probationes, sed signa.