6. Kapitel

 

Der Einfluss der einzelnen Gruppen  auf den Lebensgang Jesu

 

Für die Auseinandersetzung Jesu mit seiner Zeit spielen die Pharisäer, die Sadduzäer, die »Hohenpriester«, die »Ältesten« eine entscheidende Rolle. Sie werden von Jesus angesprochen und kritisiert (Mk 8,

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31; Lk 9, 22; Mt 16, 21). Sie werden auch in der Apostelgeschichte genannt (4, 5f).

Schon sehr bald traten die Pharisäer gegen Jesus auf. Es kam zu Zusammenstössen mit »Schriftgelehrten«, welche zur Partei der Pharisäer zählten (Mk 2,16; Mt 9, 9-13; Lk 5, 27-31). Sie waren über die Kontakte Jesu mit den Zöllnern und über seine Kritik an der pharisäischen Schriftauslegung aufgebracht (Mt 23,2-31). In Jerusalem betrieben nach dem Matthäusevangelium die »Hohen Priester« und die Pharisäer den Prozess gegen Jesus (Mt 21, 45f; Joh 7, 32).

Nach der Verhaftung Jesu leitete der Hohe Priester Kajaphas während der Nacht in seinem Palast eine vorbereitende Sitzung mit den »Hohen Priestern«, besonders dem einflussreichen Vorgänger Hannas (= Annas: Lk 3, 2; Joh 18, 13; Apg 4, 6).

Sie kehrten beim Prozess vor Pilatus mit grossem Nachdruck ihre Loyalität gegenüber der römischen Militärbesatzung hervor, indem sie den unbeliebten römischen Statthalter Pontius Pilatus zwangen (Mt 27, 2; Joh 18, 28), Jesus zu verurteilen, weil er politische Ansprüche erhebe. Zustatten kam ihnen die politische Lage. Kaiser Tiberius (14-37) verlangte nämlich von den römischen Statthaltern nach einer Zeit der Spannung eine rücksichtsvolle Judenpolitik. So bestand im Jahre des Prozesses eine günstige Voraussetzung für den Appell an den Statthalter, zumal man sich an die Kaisertreue dieses Mannes wandte, und für die Nachgiebigkeit des früher anti-jüdischen Prokurators.

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