Zweiter Hauptabschnitt

 

Das Heilstun Jesu Christi

  

1. ABSCHNITT

Die Auferweckung Jesu von den Toten

  

1. Kapitel

Die Tragweite der Auferstehungsverkündigung

 

a) Auferstehung als Höhepunkte im Leben Jesu

 

Wir kommen nach Bemerkungen über die theologische Landschaft zu dem Gipfel der Lebensgeschichte Jesu. Der Höhepunkt ist die Auferstehung von den Toten. Die Auferstehung Jesu ist der Schlüssel zu seinem Persongeheimnis (Scheffczyk). Sie ist das wichtigste Ereignis in der ganzen Menschheitsgeschichte. Sie ist das Ziel aller Heilspläne Gottes, aller Lebensbewegungen der Menschen. In Jesus Christus ist dieses Ziel erreicht. Er hat es für sich erreicht und für uns. Er hat es erreicht, indem Gott der Vater sein irdisches Leben durch die Auferstehung wandelte zum verklärten Dasein.

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Jesu eigene Auferstehung tendiert auf die Auferstehung aller hin. Erst wenn dies Ereignis wird, wird die Auferstehung Jesu ihren Vollsinn erreichen. Darin offenbart sich die durch die menschliche Geschichte hindurchwirkende Kraft der Auferweckung Jesu Christi. In der Hoffnung auf die zukünftige Teilnahme am Auferstehungsleben Jesu Christi wird ausdrücklich oder implicite die göttliche Berufung der mit Christus verbundenen Menschen und darin die unüberbietbare Würde des Menschen sichtbar.

In der Auferweckung Jesu Christi wird der Durchblick zum Ende der Geschichte, ja des Kosmos und die Würde des Menschen, der Endsinn der ganzen mit menschlicher Bosheit und alle Vorstellungsmöglichkeiten übersteigender Grausamkeit und unzähligen heroischen Anstrengungen vorangebrachten menschlichen Geschichte offenbar. Beides wurde aber in der Theologie nicht immer deutlich. Es bedurfte der Impulse aussertheologischer Kräfte, damit die Theologie ihre Kernwahrheit allseitiger verstand.

Der kulturelle Hintergrund und Antriebsmotor der neuen Überlegungen liegt in der seit langem im weltlichen Bereich wirkenden geschichtlichen Mentalität, die sich in den letzten Zeiten auch in der katholischen Theologie Geltung verschaffte. Dazu kommt die neue Einschätzung des Menschen, der vor vielen Jahrzehnten weithin nur in seinem Nutzwert bzw. in seiner Arbeitskraft gewertet wurde, nun aber auch in der dem Menschen zukommenden Würde anerkannt wird. Sowohl die geschichtliche Schau als auch die Würde und die Mündigkeit des Menschen, die zunächst im weltlichen Bereich ihren praktischen Ausdruck gefunden haben, werden von der Offenbarung sowohl im Alten wie im Neuen Testament in einer un­überhörbaren Kraft verkündigt und bedürfen daher auch der prakti-

 

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schen Anerkennung von selten aller derjenigen, welche die Heilige Schrift als ihr Glaubens- und Lebensbuch anerkennen.

Wenn die Darstellung des Heilssinnes von Jesu Leben vom Ende her, nicht vom Anfang (von der Inkarnation, der Menschwerdung des Gottessohnes) eröffnet wird, so liegt der Grund darin, dass durch diesen Vorgang sogleich die Lebensgeschichte Jesu in das Licht des göttlichen Heilsplanes getaucht ist, sogleich das Ziel des in der Inkarnation eingeleiteten Weges gesehen und diese in ihrer inneren Zielstrebigkeit als Anfang des Heiles erkannt werden kann. Die Inkarnation steht bei dieser Struktur immer in dem zurückliegenden, dem Glaubensbewussten jedoch gegenwärtigen Horizont.

        

      

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