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Kapitel
Christus in der aussertheologischen Meinung
Heinrich Fries hat in einem substantiellen Artikel einen Überblick über die lebendige Anwesenheit Jesu Christi in unseren Tagen geboten (L. Scheffczyk, Grundfragen der Christologie heute, mit Beiträgen von L. Scheffczyk, A. Halder, P. Hünermann, W. Kasper, F. Mussner, 1975), und zwar S. 36-76 dieses Werkes. Er verweist auf die nichtkirchliche Jesus-People-Bewegung, auf die zu ihr gehörende Hippie-Bewegung, eine Art von Erweckungsbewegung, sodann auf die Erscheinungen der Jesus behandelnden Literatur. In ihr spielen die Arbeiten von R. Augstein (Jesus, Menschensohn) und J. Lehmann (Jesusreport) eine auffallende Rolle; sie üben entweder an Jesus selbst oder an der Kirche eine ausserordentliche, sehr subjektive Kritik.
Sowohl in der Jesusbegeisterung der Jugendreligionen als auch in den eben genannten Veröffentlichungen wird das biblische Bild Jesu wesentlich verzerrt. Dies lässt sich mit der Formel ausdrücken: Es entsteht keine Christologie, sondern eine Jesulogie. Aber theologisch, biblisch, realistisch gesehen, ist für Jesus von Nazaret gerade charakteristisch, dass er der Christus, der Messias, der Erlöser, der Retter und Helfer ist. So hebt er sich von allen übrigen Menschen ab. Er ist aus keiner vorgegebenen Situation, auch nicht aus der Geschichte Israels einfachhin ableitbar und bleibt trotzdem mit der Geschichte Israels, ja mit der Universalgeschichte engstens verbunden. Man darf auch nicht gänzlich ausser acht lassen, dass bei der Entstehung von Jugendreligionen nicht selten kommerzielle Mo-
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mente eine Rolle spielen und radikale Unmündigkeit der Anhänger zum Prinzip erhoben wird. Zu dieser Art von Veröffentlichung gehört auch J. Carmiachael (Leben und Tod des Jesus von Nazareth).
Aus älterer Zeit ist zu nennen Dostojewski, vor allem mit seinen Romanen »Die Brüder Karamasoff« und »Der Idiot«. Auch von philosophischer Seite zeigt sich ein hohes Interesse für Jesus. Man braucht nur an Hegel, Nietzsche, M. Scheler, K. Jaspers zu denken.