d)
Auferweckung
keine
Wiederaufnahme des irdischen Lebens
Jesus ist in der Auferweckung nicht wie Lazarus, dessen Auferweckung von Thomas von Aquin als eine unvollständige Auferweckung bezeichnet wird, in die zeitlich-räumliche Welt zurückgekehrt. Zunächst ist zu beachten, dass Lazarus sowie die anderen von Jesus aus dem Tode Erweckten wieder starben. Jesus aber bleibt nach der Auferweckung für immer lebendig und als Lebendiger ontologisch in der Geschichte geheimnisvoll und verborgen heilswirksam gegenwärtig. Ferner ist zu sagen: Der Auferstandene gehört einer anderen Seinsordnung an. Deshalb wurde er bei seinen Erscheinungen auch nicht immer sogleich von den Seinigen erkannt. Er musste vielmehr, um gesehen werden zu können, die Seinsordnung, in welche er in der Auferstehung eingegangen ist, in unsere Erfahrungswelt hinein und zurück wieder durchbrechen.
Dies kann in einer doppelten Weise erklärt werden. Entweder könnte man annehmen, dass der erhöhte Herr durch heilsmächtige Impulse so auf die Jünger einwirkte, dass sie die empfangenen Eindrücke in die Gestalt des Auferweckten übersetzten. Die Erschei-
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nungen sind nach dieser Erklärung eine Synthese von objektivem Ereignis und subjektiver Erkenntnisanstrengung. Eine solche Interpretation hat ihre Parallele in dem natürlichen Erkenntnisvorgang. Man könnte in einer noch stärkeren Betonung des objektiven Elementes in einer gewissermassen objektivistischen Sicht auch sagen: Christus hat trotz seiner völlig anderen Existenzweise bei den »Erscheinungen« Formen und Farben angenommen, welche aus unserem Erfahrungsbereich stammen, um von den Seinigen erkannt zu werden. Auch so könnte das Erlebnis der Jünger nicht einfach in einer Beobachtung, sondern nur in einem glaubenden Verstehen gründen. Die zweite Erklärung entspricht in höherem Masse der traditionellen Vorstellung und hat auch mehr die Gewohnheit auf ihrer Seite.
Auch wenn man den Realismus des Auferwek-kungsereignisses betont, muss man doch das Anliegen (wenn auch nicht die Thesen) Bultmanns und Marxsens nachdrücklich anerkennen. Die Auferwekkung Jesu bleibt heilsunwirksam, wenn man sie nur als Ereignis an sich versteht. Gerade in ihrem »Ansich« ist sie ein Ereignis für uns. Sie wird heilswirksam nur durch die Verkündigung und im Glauben. Erst in der Verkündigung und im Glauben wird der Auferweckte heilswirksam für den Menschen. So hat die Auferweckung Jesu die Tendenz zur Verkündigung und zum Glauben. Andererseits jedoch würden Verkündigung und Glaube leer und hohl bleiben, wenn in ihnen nicht die wirkliche Auferweckung wirksam wäre. Durch die Verkündigung wird die Auferweckung als heilshaftes Ereignis für die jeweilige Generation gegenwärtig gesetzt und aktualisiert. Sowohl die nur objektivistische Feststellung der Auferweckung als auch die These von der Auferweckung nur im Worte der Ver-
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kündigung und im Glauben würden die Wahrheit verfehlen. Im Hintergrunde von Bultmanns These steht der Dualismus von Natur und Existenz, von Objekt und Subjekt. Dabei wird die Natur bzw. das Objekt ausgeschaltet.
Die neutestamentlichen Auferstehungszeugnisse betreffen die Gegenwärtigkeit und Lebendigkeit des verklärten und erhöhten Herrn. Ein geringerer Akzent fällt dabei auf das Ereignis der Auferweckung selbst. Vor allem fehlt jede Schilderung des Vorgangs. Die Auferweckung wird als Voraussetzung für die Gegenwärtigkeit und Lebendigkeit Jesu verstanden. Man kann sagen: Von der Erfahrung der Erscheinungen aus erkennen die Jünger, sei es in einem eigentlichen Konklusionsverfahren, sei es im weiteren und wohl richtigen Sinne in einem gläubigen Mitverstehen, das Ereignis der Auferweckung.